von Freddy Kühne

Es hilft nicht, wenn man die Augen und Ohren verschliesst, um die schreckliche Wirklichkeit auszublenden und sich einzureden, dass der Terror mit dem Islam nichts zu tun hat.
Denn erstens unterschätzt man dadurch die realen Gefahren und verliert die Möglichkeit rechtzeitig geeignete Maßnahmen zum Schutz unserer Demokratie, unseres Rechtsstaates und unserer Kultur einzuleiten.
Und zweitens verhindert diese Verdrängung und Beschwichtigung auch die zwingend notwendige innerislamische Selbstkritik, Selbstreflexion, Debatte und Aufklärung im Sinne einer Laizisierung und Säkularisierung.

Glaubensrichtungen und Verbreitung im Islam via Wikimedia Commons

In den meisten muslimisch-sunnitischen Staaten der Welt, einschliesslich der reichen arabischen Ölstaaten sowie der wirtschaftlich starken Türkei geht der Trend weg vom Laizismus hin zur Re-Islamisierung.

 


Lediglich durch den Militärputsch in Ägypten konnte eine Islamisierung Ägyptens durch die Muslimbrüder verhindert werden.
Auch die Türkei ist unter dem Möchtegern-Sultan Erdogan auf dem Weg in Richtung großosmanisch-nationalistischer Islamisierung. Seit Jahren wird dieser Weg von der EU unterstützt: die EU nannte dies Demokratisierungsprozess. Doch dieser schadete in der Türkei dem Laizismus – der durch die islamistische AKP ebenso wie der Einfluss des säkularen Militärs zurückgedrängt wird.

Die liberalen Muslime können sich weltweit gesehen bisher dieser Politisierung des Islams immer seltener erwehren und entziehen. Sie selbst sind – neben den christlichen, kurdischen und jesidischen Minderheiten – selbst meist die ersten Opfer der Radikalisierung.

Mahnwachen der Islamverbände gegen den Terror sind zwar nett – aber nicht mehr als eine symbolische Geste. Das Problem im Islam liegt tiefer: denn der Islam kennt historisch nicht die Trennung zwischen Religion und Politik. Er hat keine Aufklärung durchlaufen. Die Konstruktion der Ditib-Moscheen macht dies deutlich: sie untersteht direkt dem türkischen Staatspräsidenten und ist de facto eine Staatsreligion im wörtlichen Sinn.
Es gibt auch in der Türkei keine Trennung zwischen „Staat und Moschee“. Im Gegenteil. Diese sind Hand in Hand verwoben.

Die völlständige organisatorische Trennung zwischen Staat und Religion wie in Deutschland, oder gar der Laizismus Frankreichs, ist in den meisten islamischen Staaten undenkbar: das Beispiel des schiitischen Iran macht es ebenfalls deutlich: dort gibt es eine Theokratie in welcher der Wächterrat der islamischen Gelehrten eine Vorabauslese über die Zulassung zur Wahlbewerberliste entscheidet.
Saudi-Arabien, welches sich gar der Verurteilung der Pegida-Demonstranten angeschlossen hat, wird vom Wahabismus geprägt: der Import von Bibeln ist dort verboten – auch das Tragen des Kreuzes als Glaubensbekenntnis von Gastarbeitern ist dort verboten.

Die allermeisten Imame haben kein  Studium nach westlichem Maßstab durchlaufen, sondern wurden auf einfachste Weise ausgebildet, z.B. an einer Imam-Hatip-Schule: der Unterricht besteht überwiegend aus dem Auswendiglernen von Koranversen.

Eine Theologieausbildung / -studium nach westlichem Standard, welche z.B. verschiedene Auslegungsmethoden (Bildsprache = allegorische Auslegung / historische Auslegung, historisch-kritische Auslegung / Vergleichende Auslegung verschiedener Interpretationsmöglichkeiten / Interpretation auf materieller und/oder rein spiritueller Ebene) beinhaltet, wird in diesen Imamausbildungen nicht stattfinden.
Daher besteht vor allem im Islam die Realität der wortwörtlichen Auslegung der Koranstellen.

Selbst die in Deutschland tätigen Imame kommen zu 70 Prozent aus der Türkei, sprechen kaum Deutsch und haben keine dem westlichen Standard entsprechende Ausbildung durchlaufen.

Dies begünstigt dann häufig die Entstehung radikal-islamischer Milieus, wie die der Salafisten oder anderer Gruppen.
In Verbindung mit der fehlenden Trennung zwischen Religion und Staat entstehen somit schnell fundamentalisch-extremistisch-fanatisierte und ideologisch aufgeladene Zirkel. Der Schritt zur Gewalt , der durch viele dann wortwörtlich ausgelegten Koranstellen scheinbar legitimiert wird, ist dann kein großer mehr.

Ohne eine grundlegende innerislamische Reform dieses fatalen Ausbildungssystems und vor allem ohne eine Grundsatzdiskussion über die ideologische und institutionelle Trennung von Religion und Politik im gesamten islamischen Raum, kann keine grundsätzliche Veränderung des Islams in Richtung eines sogenannten „aufgeklärten Islams“ stattfinden.

Wer aber alleine den Satz „Dies hat nichts mit dem Islam zu tun“ ständig vor sich wie eine Monstranz herträgt, bringt damit zum Ausdruck, dass er diesen Willen zur Selbstkritik und Selbstaufklärung von vornherein gar nicht mitbringt oder nicht mitbringen will.
Daher ist dieser Satz „Dies hat nichts mit dem Islam zu tun“ ein Selbstbetrug.
Wer diesen Satz als Nichtmuslim sagt, verhindert damit fatalerweise eine innerislamische Aufklärung und erstickt sie im Keim.
Wer diesen Satz als Muslim sagt, gibt zu verstehen, dass er eine innerislamische Aufklärung nicht willig und/oder fähig ist zu denken oder dass ihm die Zusammenhänge zwischen politisch-faschistisch aufgeladenem Islamistenterror und der fehlenden Aufklärung überhaupt nicht bewusst sind.

Zumindest die beiden größten islamischen Strömungen , die der Sunniten und Schiiten, scheinen einer solchen geistigen Aufklärung vehementen Widerstand zu leisten. Den reichen Ölländern wie Saudi-Arabien wäre es ein Leichtes, Milliarden von Dollar in die Bildung und damit in die Aufklärung zu investieren. Dies geschieht aber nicht – oder fast nicht.

Lediglich kleinere und kleinste Strömungen im Islam sind bisher zu solch einer aufklärerischen Leistung überwiegend oder in Ansätzen fähig gewesen: dazu gehört vor allem die kleine Gruppe der Ismaeliten und in gewisser Weise auch die Aleviten, die über Jahrhunderte friedlich in Syrien mit den Christen koexistierten.
Doch beide genannten Gruppen werden oft auch von Seiten der radikalen Sunniten als „Ungläubige“ oder fehlgeleitete Muslime angesehen und auch unterdrückt oder – wie gerade in Syrien – bekämpft.

Mouhanad Korchide, ein liberaler muslimischer Islamwissenschaftler, bewertet die Debatte um den Islam ähnlich. Er , Zitat „kritisiert die Haltung vieler Muslime nach den Anschlägen von Paris. Wer sage, Salafismus habe nichts mit dem Islam zu tun, der verdränge das Problem.“ Zitatende.

Korchide steht als liberaler Islamwissenschaftler und Muslim ebenso unter Polizeischutz, wie islamkritische Karikaturisten wie Kurt Westergard oder Journalisten wie beispielsweise Udo Ulfkotte.

 

Auch der deutsch-ägyptische Politiloge Hamed Abdel-Samad wiederspricht der Bundeskanzlerin, welche sagte, der Islam gehöre zu Deutschland. Dazu Abdel-Samad, Zitat: “ „Es ist nicht die Aufgabe eines Politikers, eine Religion zu rehabilitieren oder zu bewerten“, stellt Hamed Abdel-Samad auf Facebook klar. Politiker seien für die Menschen da und nicht für die Ideologien dieser Menschen. Wenn Merkel behaupte, der Islam gehöre zu Deutschland, dann irre sie.“ Zitatende.

Ob diese liberalen guten Ansätze sich im gesamten Islam durchzusetzen vermögen, bleibt wohl schwer einzuschätzen. Global gesehen sieht es derzeit gar nicht gut aus: Selbst in der von Atatürk laizisierten Türkei wird das Rad von Erdogan seit Jahren in Richtung politischer Islamisierung zurückgedreht. Und in Ägypten konnten die Muslimbrüder nur mit brachialer Militärgewalt zurückgedrängt werden.

Lösungswege zur Entkrampfung und Entspannung der Situation:

Notwendig wäre daher jetzt politisch festzulegen, dass erstens in Deutschland nur noch Imame tätig werden dürfen, die eine Ausbildung in Deutschland im Sinne auch der Aufklärung und nach staatlich anerkannten Lehrplänen durchlaufen und abgeschlossen haben. Zweitens ist ein islamischer Religionsunterricht einzuführen, der exakt diesen vom Staat festzusetzenden Lehrplänen durch staatlich ausgebildete Pädagogen durchgeführt wird. Dazu sollten wir vor allem die Hilfe der liberalen muslimischen Gemeinschaften der Ismaeliten oder Aleviten in Anspruch nehmen, welche dadurch auch Stärkung und Aufwertung erfahren.

Um eine kulturelle Überfremdung und finanzielle Überforderung auf Seiten der einheimischen Bevölkerung zu verhindern, sind die nicht anerkannten Asylanten schneller wieder in ihre Heimat zurückzuführen.

Anerkannte Asylanten müssen durch entsprechende Deutschkurse und Unterrichtung in deutsch-europäischer Kultur auf die für sie völlig neue und fremde Kultur vorbereitet werden. Zudem ist für anerkannte Asylanten die Arbeitspflicht einzuführen, um Ihnen ein menschenwürdiges und sinnvolles Leben sowie  schnellere Integration zu ermöglichen.

 

Nachfolgend eine Diskussion über die Entstehung des Koran:

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