Digitalexperte Uwe Kamann sieht Corona-Tracking App kritisch: Sie wird wahrscheinlich ein Flop

 

 

Der Digitalexperte und parteilose Bundestagsabgeordnete Uwe Kamann sieht die Corona-Tracking App kritisch.

Die App könnte nur erfolgreich sein, wenn wir allumfassend alle Daten offen legen. Dies ginge nur in totalitären Regimen. Zudem wird die App weder genug Nutzer haben, noch funktioniert sie länderübergreifend. Auch die Einhaltung von Mindestabständen , das Tragen des Mundschutzes ua. kann sie nicht erfassen. Zudem funktioniert sie bei PIN-gesperrten Geräten überhaupt nicht.

Nachfolgend die Pressemitteilung von Herrn Uwe Kamann (MdB)

 

Pressemitteilung:


Die drei Bundestagsabgeordneten Uwe Kamann, Mario Mieruch und Frauke Petry bewerten die geplante Corona-App der Bundesregierung höchst kritisch. Eine App, die davor warne, wenn man Kontakt zu einem Corona-Infizierten gehabt habe, sei auf den ersten Blick vielleicht interessant, aber mit den geltenden Datenschutzregelungen und Gesetzen nicht vereinbar, wenn sie tatsächlich zum Schutz der Bevölkerung beitragen solle. Auch sei das Risiko, dass Bürger sich wegen falscher Bewertungen der App in wiederholte Quarantäne begeben müssten, ohne dass hierfür tatsächlich ein valider Grund vorläge, viel zu hoch.

Uwe Kamann, nordrhein-westfälische Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Digitalausschuss des Bundestages sagte heute dazu: „Um es ganz deutlich zu

sagen: Die geplante Corona-App wird höchstwahrscheinlich ein Flop. Wenn man Infektionsketten umfassend und konkret nachvollziehen und dadurch unterbrechen will, dann ist das durch Apps nur dann sinnvoll möglich, wenn wir all unsere Daten umfassend offenlegen: verpflichtend, ohne Rücksicht auf die Privatsphäre, Datenschutzbedingungen oder andere Gesetze. Das ist in Deutschland aus guten Gründen rechtlich nicht möglich und nur in totalitären Staaten eine Option. Die letzte Sitzung des Digitalausschusses hat deutlich gemacht, dass die Bundesregierung noch nicht einmal im Vorfeld evaluiert hat, wie viele aktive App-Nutzer tatsächlich notwendig wären, um umfassend Infektionsketten zu unterbrechen und darüber auch bis heute keine Vorstellung hat. Wenn aber nicht genügend User vollumfänglich mitmachen, ist diese App schlicht Zeit und Geldverschwendung. Auch zu den Kosten gibt es keinerlei Plan. Und aufgrund der Vorentscheidung des Gesundheitsministeriums für eine zentrale Variante ist auch eine länderübergreifende Funktionsweise nicht möglich, da sich z.B. unsere Nachbarländer Österreich, Schweiz und die Niederlande bereit für eine dezentrale Lösung entschieden haben. Beide Varianten sind nicht interoperabel.

Das von der Bundesregierung unterstützte Contact Tracing über Bluetooth Low Energy ist zwar möglicherweise datenschutzfreundlich, genau deshalb aber auch zu ungenau und nicht in der Lage, verlässliche Warnungen zu Kontakten mit infizierten Personen zu geben. Trotzdem seien die Nutzer gehalten, die laut App Kontakt zu einer infizierten Person hatten und Anzeichen wie z.B. Husten haben, sich in Quarantäne zu begeben, gleichgültig ob eine Infektion überhaupt möglich gewesen sein kann*.

„Das wird wahrscheinlich kaum Infektionen verhindern, stattdessen besteht die Gefahr, dass viele Menschen sich unnötigerweise in Quarantäne begeben, wenn Sie es denn überhaupt tun. Ein völlig unverhältnismäßiger Eingriff in die Freiheit jedes Bürgers. Zumal das allgemeine Infektionsgeschehen bereits jetzt durch die Bewegungsdaten von Google oder den Mobilfunkanbietern abgebildet werden kann und auch bereits abgebildet wird. Vor diesem Hintergrund ist es mehr als unwahrscheinlich, dass genügend Menschen diese App überhaupt nutzen werden. Nach aktuellen Umfragen lehnt rund jeder Zweite die Nutzung einer solchen App ohnehin ab“, sagte der IT- und Digitalisierungsexperte Uwe Kamann abschließend.

Hinzu kämen noch Unklarheiten zur Funktionsweise. Der von der Bundesregierung unterstützte PEPP-PT-Ansatz funktioniere bei PIN-gesperrten Geräten nicht und die Annahme, Handynutzer würden ihre Geräte bei Nutzung der App nicht mehr sperren, sei lebensfremd. Ob Apple bereit sei, seine Parameter zu verändern sei ebenfalls noch völlig offen.

Update 25.04.2020: Nach neuesten Informationen aus der Presse, hat man nun eine Kehrtwende gemacht und will jetzt die dezentrale Lösung umsetzen. An meiner Einschätzung ändert dies allerdings nichts.

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*Beispiel: Die App warnt einen Nutzer, dass er im Supermarkt „Kontakt“ zu einer infizierten Person gehabt hat, der Nutzer ist schon aus Seuchenschutzgründen verpflichtet, sich in Quarantäne zu begeben. Tatsächlich warnt die App aber allein deshalb weil ein anderer infizierter Kunde auch in der Schlange stand, gleichgültig ob tatsächlich ein echter Kontakt und damit eine Infektion stattgefunden haben kann. Ob die Beteiligten überhaupt miteinander gesprochen haben, Mundschutz und Handschuhe getragen haben oder eine Plastikschutz zwischen Ihnen stand, kann die App gar nicht erfassen. Die Technologie kann auch den genauen Abstand zwischen zwei Menschen nicht messen, sondern erkennt nur die Signalstärke zwischen zwei Geräten. Diese wiederum schwankt stark, ist von äußeren Faktoren beeinflusst und kann keine verlässlichen Daten liefern, die eine valide Grundlage für eine Quarantäne sein könnten.

 

Quelle: Uwe Kamann / MdB

 

 

Weitere Informationen

 

Corona-Tracking: Wie Kontakt-Nachverfolgungs-Apps funktionieren und was davon zu halten ist

 

 

 

Titelbild: geralt auf Pixabay / Freie Nutzung

 

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