Kehrtwende: Zentralrat der Juden für Obergrenzen – wie AfD und CSU

“Verunglimpfung des Islam absolut inakzeptabel”

Juden zentralratvon Peter Helmes*

Ideologische Verblendung, insbesondere wenn es um den Islam geht, macht offensichlich auch vor dem Zentralrat der Juden nicht halt. Die Tageszeitung DIE WELT hatte am 20.12.2014 über den Protest des Zentralrats der Juden (ZdJ) gegen Pegida unter der Überschrift “Verunglimpfung des Islam ist absolut inakzeptabel” berichtet. In dem WELT-Artikel hieß es u. a.:

„Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, warnt davor, die islamfeindliche Pegida-Bewegung zu unterschätzen. Und nimmt zugleich die Muslime in Deutschland in Schutz (…)

Angesichts der Verbalangriffe auf den Islam durch die islamfeindliche Pegida-Bewegung(Link: http://www.welt.de/themen/pegida/) nimmt nun der Zentralrat der Juden die Muslime in Deutschland in Schutz. Der neue Zentralratsvorsitzende Josef Schuster (Link:http://www.welt.de/134877003) sagte im Interview der “Welt”, die Angst vor islamistischem Terror werde “instrumentalisiert”, um eine ganze Religion zu verunglimpfen. “Das ist absolut inakzeptabel”, erklärte Schuster…“ Soweit der Artikel der WELT (http://www.welt.de/politik/deutschland/article135582589/Verunglimpfung-des-Islam-ist-absolut-inakzeptabel.html)

Der Bonner Generalanzeiger (GA): Kritik an Schusters Äußerungen

Der berichtete heute, 25.11., u. a.: „…Äußerungen des Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, der die CSU-Forderung nach Obergrenzen übernommen hatte, stießen derweil auf Kritik. Pro Asyl nannte Schusters Äußerungen “befremdlich” (…) Schuster hatte zur Begründung seiner Forderung der “Welt” gesagt, viele Flüchtlinge kämen aus “Kulturen, in denen der Hass auf Juden und die Intoleranz ein festerBestandteil sind”. Es gehe nicht nur um Juden, sondern auch etwa um die Gleichberechtigung von Mann und Frau.

Dazu sagte Schuster, der Zentralrat sei der Überzeugung, dass Deutschland Flüchtlinge aufnehmen müsse. Zum Grundrecht auf Asyl gehöre aber auch eine menschenwürdige Versorgung und erfolgreiche Integration. “Daher werden wir um eine Begrenzung oder Kontingentierung der Zuwanderung auf die Dauer nicht herumkommen.” (dpa,http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/brennpunkte/kontingente-statt-obergrenzen-article1770697.html#plx747536150)

taz: „Das ist ganz bitter“

Völlig verschreckt kommentiert die Linksaußenpostille taz unter der Überschrift „Rassismus im Zentralrat der Juden“: „Der Präsident des Zentralrats der Juden hat sich für eine Obergrenze bei der Flüchtlingsaufnahme ausgesprochen. Das ist ganz bitter (…)

…Es gab in Deutschland bisher genau zu benennende Kräfte, die sich für Obergrenzen bei Geflüchteten aussprachen: die rechtspopulistischen Parteien AfD und CSU sowie die Pegida-Bewegung. Letztere besteht aus Rassisten, die sich als besorgte Bürger ausgeben. Nun ist auch der Zentralrat der Juden Mitglied in dieser ominösen Gesellschaft. Das ist traurig, davon müssen sich die Juden Deutschlands distanzieren, oder etwa nicht?…“

„Was“, wird Herr Schuster vermutlich sagen, „interessiert mich mein Geschwätz von gestern?“ Nun befindet er sich, mitsamt seinem Zentralrat, in der zuvor angegriffenen Gesellschaft von „CSU, Pegida, AfD und besorgten Bürgern“, sozusagen steht Drehschuster neben Drehhofer. Das hat doch was! Schuster hat mit dieser Wendung um 180 Grad offensichtlich kein Problem. Wir aber:

Klaus Hildebrandt: „befremdlicher Sinneswandel“

Der meinen Lesern aus vielen kritischen Artikeln bekannte Klaus Hildebrandt schrieb postwendend folgenden Brief an Dr. Schuster (Von Klaus Hildebrandt,Hildebrandt.Klaus@web.de, an info@zentralratdjuden.de info@zentralratdjuden.de):

„Sehr geehrter Herr Dr. Schuster,

ich nehme einen Artikel aus dem gestrigen General-Anzeiger (http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/brennpunkte/kontingente-statt-obergrenzen-article1770697.html) zum Anlass, auf meine mail v. Anfang des Jahres (Kopie unten beigefügt) zurückzukommen, auf die Sie nicht antworteten.

Darin hatte ich meine deutliche Unzufriedenheit über Ihre wiederholten Attacken (“Rassismus und Ausländerhass”) gegenüber besorgten Bürgern zum – unkontrollierten – Zustrom muslimischer Einwanderung nach Deutschland geäußert. Solche Stimmungsmache führte Anfang des Jahres dazu, dass bestimmte Kreise sogar Anzeige wegen angeblicher “Volksverhetzung” gegen einen evangelischen Pastor erstatteten, der nur das tat, wozu er schon immer bezahlt wurde, nämlich den christlichen Glauben zu verkünden.

Umso mehr befremdet mich Ihr jüngster Sinneswandel, wonach Sie sich nun öffentlich für eine Begrenzung der Flüchtlingsaufnahme und, ja sogar für Obergrenzen stark machen und dies damit begründen, dass es u.a. zu Integrationsproblemen kommen könnte, “denn viele der derzeitigen Flüchtlinge entstammten aus Kulturen, in denen der Hass auf Juden und die Intoleranz ein fester Bestandteil sei.”

Wer hören kann, soll hören. War nicht genau das doch das eigentliche Anliegen derjenigen Demonstranten, die Sie, Herr Dr. Schuster, noch im Frühjahr öffentlich und sogar lautstark in Verbindung mit Rassismus und Ausländerhass brachten? Die Entwicklungen der letzten Wochen und Monate offenbaren den schändlichen Umgang der Regierenden mit den Bürgern, dem auch Sie sich lange Zeit anschlossen. Sollte Frau Merkel ihr Kanzlermandat niederlegen, so müssten – streng genommen – auch Sie ihr folgen.

Pauschal in der rechten Ecke, Herr Schuster?

Insbesondere aber frage ich Sie als Vorsitzenden des Zentralrats der Juden: Wäre es nicht nur konsequent und richtig, sich bei all denjenigen Bürgerinnen und Bürgern, die Sie bis vor Kurzem noch mit Ihren beleidigenden Äußerungen überzogen und pauschal in die rechte Ecke stellten, nun öffentlich zu entschuldigen? Wer sich wie das Fähnchen im Winde dreht, sollte doch besser freiwillig gehen. (…)

Ähnlich wie Sie sich nun endlich um die Belange und die Sicherheit der in Deutschland lebenden Juden kümmern, so sorge ich mich als Katholik schon lange um die Zukunft des Christentums hierzulande. Deutschland hat meiner Überzeugung nach den Zenit seiner Blütezeit überschritten und verliert seine Identität. Eine Politik, die sich nicht mehr am Willen des Volkes orientiert und nur noch eigene Sache macht, ist des Regierens nicht mehr würdig. Demokratie läuft ganz anders.

Mit freundlichen Grüßen, Klaus Hildebrandt“

  1. Brief blieb unbeantwortet

Zuvor hatte Hildebrandt Herrn Schuster schon einmal zu diesem Thema angeschrieben, aber bis heute keine Antwort erhalten (Gesendet: Mittwoch, 11. Februar 2015 um 07:55 Uhr, Von: Hildebrandt.Klaus@web.de, an: info@zentralratdjuden.de)

„Sehr geehrter Herr Dr. Schuster,

auch ich staunte nicht schlecht, als ich erfuhr, dass gerade Sie als Vertreter der Juden in Deutschland nun den Schulterschluss mit der Politik praktizieren, um hier lebende Muslime gegen angebliche “islamfeindliche Proteste” zu verteidigen. Wenn ich die Politik Israels betrachte, getrieben von Gewalt und Vergeltung, fehlen mir die Worte.

Erkennen Sie wirklich nicht, welche Gefahr von einer kurzsichtigen und unkoordinierten Asylpolitik, wie wir sie heute erleben, – gerade auch für Juden – ausgeht? Wir Deutschen – geprägt durch unsere leidvolle Geschichte -, wollen keine Zustände wie in Israel und fast allen muslimisch regierten Ländern der Erde. Wäre es da nicht sinnvoll und angemessen, es den besorgten Bürgerinnen und Bürgern zu überlassen, sich zu schützen? Wir möchten friedlich miteinander leben und die hier lebenden Muslime auch menschenwürdig behandeln. Dafür lohnt es sich allemal auch auf die Straße zu gehen. Dass aber gerade Sie, Herr Dr. Schuster, das nicht wahrhaben wollen, ist unverständlich. Man muss schon naiv sein oder sogar eigennützige Interessen verfolgen, dies anders zu sehen.

Wenn selbst Frau Dr. Ezhar Cezairli, Mitglied der Deutschen Islamkonferenz, sich verständnisvoll gegenüber Menschen, die eine Islamisierung befürchten, sagt: “Ich finde es verständlich, wenn Menschen, die keineswegs der rechten Szene zugehören, Angst vor Islamisierung haben.“ und “Es ist eine Gefahr für die Zukunft Deutschlands, dass manche Politiker durch ihre Ignoranz gegenüber islamischen Organisationen dabei sind, die Grundlagen unserer aufgeklärten Gesellschaft aufzugeben.“, dann ist es höchste Zeit für ein Umdenken, vielleicht auch gegenüber dem Judentum. Wir sind Christen, so wie Sie Jude sind, und möchten es auch bleiben.

Ich bitte um Verständnis, wenn ich diese mail einem großen Leserkreis zugänglich mache.

Mit freundlichen Grüßen, Ihr Klaus Hildebrandt“

conservo meint hierzu:

Wie sagt der Volksmund so treffend: „Wenn zwei das Gleiche tun, ist das noch lange nicht dasselbe.“ Will heißen: Was der eine darf, darf der andere nicht unbedingt; was für den einen gilt, gilt nicht unbedingt für den anderen. Oder wie schon die alten Römer erkannt hatten: „Was Jupiter erlaubt ist, ist dem Rindvieh noch lange nicht erlaubt.“Nun frage mich bitte niemand, wer hier Jupiter ist…

_____________

 

*Peter Helmes ist freier Dozent, Journalist und Mitherausgeber des Blogs Conservo (www.conservo.wordpress.com)

Advertisements