Abendmahl + Gedächtnismahl + Freudenmahl + Herrenmahl + Wiederkunftsmahl +

Befreiungsmahl + Versöhnungmahl + Passahmahl + Gemeinschaftsmahl

 

 

 

Liebe Leser,

 

ich selbst wuchs seit Kindheit in der freikirchlichen Szene der Brüderbewegung auf. Kernpunkte der Brüderbewegung sind das „Allgemeine Priestertum aller Gläubigen“ , weshalb sie sich als „Brüder“ bezeichnen, zwischen denen es keinen Unterschied zwischen Laienpriestertum und Profipriestertum gibt. Der zweite Schwerpunkt bildet die wöchentliche Abendmahlsfeier im Gottesdienst.

Abendmahl und Wortverkündigung sind daher in der Theologie die beiden zentralen gleichrangigen Säulen des wöchentlichen Gottesdienstes und gehören daher unabdingbar und gleichwertig und notwendigerweise  zur Ausübung des gläubigen Christen. Sie sind daher Bestandteil des Grundrechts auf freie Religionsausübung.

Das Abendmahl hat in der Theologie der Brüderbewegung verschiedene Bezeichnungen erhalten: Denn Jesus Christus hat bei der letzten Feier des Passahmahl vor seinem Tod, dieses umgedeutet auf seinen Tod am Kreuz.

 

Wöchentliches Gemeinschaftsmahl

Und er sagte den Jüngern dass sie zusammen , also in Gemeinschaft, feiern sollen, so oft sie zusammen kommen. Daher soll das Abendmahl die Gemeinschaft der Gläubigen stärken und hat die Bezeichnung „Gemeinschaftsmahl“ bekommen. Schliesslich feierten die Juden jede Woche das Passahmahl im Kreise der Familie. Jesus aber feierte es nun mit seinen Jüngern, also im Kreise seiner Nachfolger (Luk 22,8)  Das ist der Grund, warum das Abendmahl bei Christen nicht in den

Familien, sondern in den Kirchen gefeiert wird. So, wie die Juden das Passahmahl jede Woche feierten, tat dies die Urgemeinde auch – mindestens – wöchentlich einmal.

 

Erinnerungs-/Gedächtnismahl

Desweiteren sagte Jesus, die Jünger sollen das Mahl zu seinem Gedächtnis feiern, also um sich an seinen Tod am Kreuz zu erinnern (Lk 22,19).  Dazu sollen sie Brot und Wein gemeinsam teilen. Das Brot erinnert an seinen gekreuzigten Leib. Der Wein an das vergossene Blut am Kreuz.

 

Abendmahl / Herrenmahl

Der Begriff Abendmahl rührt daher, dass das Passahmahl Freitags abends , also am Abend zu Beginn des Schabbats, gefeiert wurde. Übrigens wurde Jesus auch an einem Freitag, also quasi zu Beginn des Schabbats, gekreuzigt.

In der frühen Zeit der Brüderbewegung wurde das Abendmahl auch regulär als Herrenmahl bezeichnet, als Hinweis darauf, dass Jesus und die zwölf Jünger halt eine reine Herrenrunde waren. Diese Bezeichnung war niemals diskriminierend gemeint , sie sollte die Frauen nicht ausschließen. Sondern sie betont die besondere Verantwortung der Brüder, sich auf das wöchentliche Abendmahl und seine Ausübung innerlich geistlich vorzubereiten. So wie die Jünger das Abendmahl vorbereiteten und Jesus sie dazu aufforderte, dies zu seinem Gedächtnis zu tun.

 

Wiederkunftsmahl + Freuden-/Sehnsuchtsmahl + Versöhnungs- und Befreiungsmahl

Jesus sagte zu seinen Jüngern , dass er sich danach gesehnt hat – sich also darauf gefreut hat, das Mahl mit seinen Jüngern zu feiern. Hierauf ist der Begriff Freuden- bzw. Sehnsuchtsmahl zurückzuführen. Zudem sagte Jesus ihnen, dass er das letzte Passahmahl mit ihnen nicht mehr feiern werde, bis das Reich Gottes kommt. Hieraus lässt sich die Hinweisfunktion des Abendmahls auf Jesu Wiederkunft schließen, denn: Wenn Jesus auf der Erde erscheint, um die Machtfrage zu klären und seine Königsregentschaft anzutreten, dann wird er es erneut feiern. So entstand der Begriff Wiederkunftsmahl.

So wie Jesus sich damals danach sehnte und darauf freute, mit seinen Jüngern das Passahmahl zu feiern, so freuen sich heute die Christen während der Abendmahlsfeier ebenso darauf, Jesus wieder zu sehen und mit ihm dann gemeinsam Abendmahl zu halten: Hier und Jetzt durch Anwesenheit des Geistes Gottes, später nach der Wiederkunft Jesu bei der Anwesenheit des Christus selbst.

Durch den Kreuzestod seines Sohnes Jesus hat Gott die Welt mit ihm durch sich selbst versöhnt. Jesus hat die Schulden er Menschen bezahlt und ermöglicht Versöhnung zwischen dem Vater im Himmel und seinen Kindern. So entstand der Begriff „Versöhnungsmahl“.

Der Begriff Befreiuungsmahl ist logischerweise gewählt worden, weil das Opfer Jesu Christi uns von unserer Schuld und Sünde befreit.

 

Passahmahl

So wie das Passahmahl an den Auszug der Israeliten aus Ägypten und den Einzug in das verheißene Land Israels erinnert, genauso erinnert das Abendmahl nun an den Auszug der christlichen Gemeinde aus der „Welt der Sünde“ und den Einzug in das „Reich Gottes“ und das neue himmlische ewige Jerusalem. Zudem ersetzte Jesus Tod am Kreuz nun das Schlachten und Opfern von Sünden-Böcken (Lämmern) im Jerusalemer Tempel.  Genau aus diesem Zusammenhang entstammt ja auch die deutsche Bezeichnung „Sündenbock“… Jesus gilt daher in der Theologie der neuen damals als „jüdische Sekte“ bezeichneten Christen als das Passah-Lamm, als Sündenbock, das einmalig und für immer die Sünden der Welt trägt.

Genau dies war von Jesus auch gemeint, als er sagte, er könne den Tempel in Jerusalem in drei Tagen wieder neu aufbauen: Damit meinte er diese drei Tage von Karfreitag bis zum Auferstehungstag (Sonntag). Denn die Hauptaufgabe des Tempels war es, die Beziehung zwischen Gott und den Menschen durch innere Reinigung wieder herzustellen.

Jesus übernahm durch sein Tod am Kreuz diese Rolle des Tempels – für immer – so der Glaube aller Christen.

 

Alle diese Aspekte soll(t)en wöchentlich in der heiligen Feier des „Abendmahls“ immer wieder mal Berücksichtigung finden.

 

Aus diesen vorgenannten Gründen gehört das Abendmahl zur unverzichtbaren Glaubens- und Religionsausübung eines jeden Christen.

 

Seien Sie gegrüßt und gesegnet mit dem göttlichen Segen aus der Höhe,

 

Ihr Freddy Kühne

 

 

Das Heilige Wort Gottes, Lukas Kapitel 22, nach der Elberfelder Übersetzung *

 

 

1 Es nahte aber das Fest der ungesäuerten Brote, das Passah genannt wird.
2 Und die Hohenpriester und die Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn heimlich umbringen könnten, denn sie fürchteten das Volk.
3 Aber Satan fuhr in Judas, der Iskariot[1] genannt wurde und aus der Zahl der Zwölf war.
4 Und er ging hin und besprach sich mit den Hohenpriestern und Hauptleuten, wie er ihn an sie überliefere.
5 Und sie waren erfreut und kamen überein, ihm Geld zu geben.
6 Und er versprach es und suchte eine Gelegenheit, um ihn ohne Volksauflauf[2] an sie zu überliefern.

 

Passahmahl
7 Es kam aber der Tag des Festes der ungesäuerten Brote, an dem das Passahlamm geschlachtet werden musste.
8 Und er sandte Petrus und Johannes und sprach: Geht hin und bereitet uns das Passahmahl, dass wir es essen!
9 Sie aber sprachen zu ihm: Wo willst du, dass wir es bereiten?
10 Er aber sprach zu ihnen: Siehe, wenn ihr in die Stadt kommt, wird euch ein Mensch begegnen, der einen Krug Wasser trägt. Folgt ihm in das Haus, wo er hineingeht!

11 Und ihr sollt zu dem Herrn des Hauses sagen: Der Lehrer sagt dir: Wo ist das Gastzimmer, wo ich mit meinen Jüngern das Passahmahl essen kann?
12 Und jener wird euch einen großen, mit Polstern ausgelegten[3] Obersaal zeigen. Dort bereitet!
13 Als sie aber hingingen, fanden sie es, wie er ihnen gesagt hatte; und sie bereiteten das Passahmahl.
14 Und als die Stunde gekommen war, legte er sich zu Tisch und die Apostel mit ihm.
15 Und er sprach zu ihnen: Mit Sehnsucht habe ich mich gesehnt[4], dieses Passahmahl mit euch zu essen, ehe ich leide.
16 Denn ich sage euch, dass ich es gewiss nicht mehr essen werde, bis es erfüllt sein wird im Reich[5] Gottes.
17 Und er nahm einen Kelch, dankte und sprach: Nehmt diesen und teilt ihn unter euch!
18 Denn ich sage euch, dass ich von nun an nicht von dem Gewächs des Weinstocks trinken werde, bis das Reich[6] Gottes kommt.

 

Einsetzung des Herrenmahls
19 Und er nahm Brot, dankte, brach und gab es ihnen und sprach: Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Dies tut zu meinem Gedächtnis!
20 Ebenso auch den Kelch nach dem Mahl[7] und sagte: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.

 

 

*Die Elberfelder Übersetzung gilt als die Übersetzung der Brüdergemeinden; an der Übersetzung arbeitete maßgeblich Bruder Dr. Bernd Brockhaus mit. Da einer der Schwerpunket der Brüderbewegung vor circa 150 Jahren in Wuppertal- Elberfeld und im Bergischen Land lag und sich in dieser Region der damalige christliche  R.Brockhaus-Verlag gründete – nicht zu verwechseln mit dem Brockhaus, der die Lexika herausgibt – wurde die Bibelübersetzung nach dem Stadtteil Wuppertal-Elberfeld benannt.

 

 

Karfreitag Worship & Abendmahl

 

Crossroads Church Freudenschadt, KdöR