Elbphilharmonie: Das erste Weltwunder des 21. Jahrhunderts?

 

von Freddy Kühne

Zunächst einmal: Gratulation an Hamburg !

Es ist vollbracht. Nach ca. 10 Jahren harter und langer Bauzeit – die einerseits von einer architektonischen und ingenieur- und bautechnischen Meisterleistung geprägt und damit ein weltweit einmaliges Unikat geschaffen haben dürfte – wurde am vergangenen Wochenende die Elbphilharmonie eröffnet. Ein neuer Ort der europäischen und deutschen Hochkultur ist entstanden in welchem Planungs-, Ingenieur- , Bau- und Handwerkskunst mit geistig-musikalischer Kunst der Musik und Klänge verschmelzen.

Wir alle können stolz auf dieses erste deutsche Weltwunder im 21. Jahrhundert sein.

So wie heute niemand mehr nach den Kosten der Erstellung von Schloß Neuschwanstein fragt (welcher die bayerisch-königlichen Staatsfinanzen fast in den Ruin und den Erbauer in die Psychiatrie gebracht hätte) – so wird in 100 Jahren niemand mehr nach den Kosten für die Elbphilharmonie fragen.

 

 

Dennoch sollten trotz aller Freude die kritischen Stimmen nicht unter den Teppich gekehrt werden. Denn  der architektonischen und

 

bautechnisch-baukonstruktiven Meisterleistung steht im umgekehrten Verhältnis eine kalkulatorische und organisatorische politisch-adminstrative desaströse Minderleistung gegenüber. Dies scheint mir beinahe ein Synonym für die derzeitigen Verhältnisse Verhältnisse in Deutschland zu sein.

 

Optimistische Kalkulation?

Eine „zu optimistische Kalkulation“ heisst es da in einem Kommentar euphemistisch beschwichtigend .  Kann aber nicht sein , denkt sich der Fachmann und  staunt , wenn denn schon der Akustik-Ingenieur aus Japan darüber redet – dass die Walt-Disney Philharmonie wohl auch 14 Jahre Bauzeit benötigte… Und in Hamburg ist beinahe alles ein Unikat: alle Scheiben : Einzelstücke. Alle Akustikplatten: Einzelstücke. Die Rolltreppen – Millimetergenau hergestellt… Das Dach in einer wellenförmigen Form mit ebenso einzigartigen farblichen Kombination Puzzlesteinen stellt ebenso eine Begeisterung her wie die ineren Werte  des Gebäudes.

Da können jedoch nur Laienspieler davon ausgehen – so etwas für die anfangs im Raum stehenden geschätzen 80 – später 140 Millionen zu bekommen  – wenn schon ein einfaches biederes Schwimmbad zwischen 10 und 15 Mio und ein aufwändiges Schwimm- und Entspannungscenter 60 bis 80 Mio € kostet. So sieht das entweder fast schon nach bewusst niedrig gehaltenen Kosten aus – oder eben danach, dass die Kosten aufgrund einer nicht vorhandenen Expertise im Bau solcher Nutzungsobjekte von Beginn an absolut dilettantisch unterschätzt worden sind. Zum Ende hin standen nun ca. 840 Millionen Euro als Bausumme in den Büchern der Hansestadt – eine Kostenexplosion von 1000 Prozent (also das Zehnfache – hört sich weniger dramatisch an).

Das Gebäude ist den Preis am Ende wohl wert. Bei einer etwas weniger aufwändigen und etwas weniger exklusiven Planung jedoch  wäre es sicherlich auch ein sehr exquisites Gebäude geworden.

Die Gebäudeinstandhaltungskosten und die Kosten für den Lebenszyklus des Gebäudes stehen bis dato sicherlich auch noch in den Sternen – und wohl in ähnlich astronomischer Höhe wie bei der Erstellung des Gebäudes. Aber wenigstens diesen Ärger braucht ja erst die nächste Politiker-und Steuerzahlergeneration zu übernehmen. So funktioniert das Prestigegehabe aktueller Politikergenerationen schon seit Jahrhunderten – ob Kaiser, König , Kommunist oder Sozialdemokrat.  Wenigstens daran hat sich bis heute kaum etwas bis nichts geändert.

Trotzdem: Herzlichen Glückwunsch Hamburg.

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