Grönland. Arktis. Antarktis.

Der Klimawandel lässt Eispanzer schmelzen, Rohstoffe auftauen und Beziehungen zwischen den um Rohstoffe rivalisierenden Staaten einfrieren.

von Freddy Kühne

Grönland

Nach der Annexion Südossetiens, Abchasiens und der Krim – wofür Moskau hauptsächlich geostrategische Gründe hat – wagt sich Moskau nun auch mit Fallschirmspringern in die Arktis vor und proklamiert den Nordpol als sein Hoheitsgebiet, welches „zur Moskau auch militärisch zu verteidigen bereit sei“, so berichtet Focus Online vor einigen Tagen.

Was hinter der aggressiven russisch-imperialistischen Politik in der Krim und auch in der Ostukraine steckt, dürfte auch die Triebfeder für das russische Handeln in der Arktis sein: die Sicherung von Rohstofflagern und -wegen. Denn Russlands Wirtschaft und Bruttonationalprodukt erzielt nur durch den Export von Rohstoffen Überschüsse. Im Fall der Krim bedeutet dies, bessere und preiswertere Routen für Gaspipelines sowie die Sicherung militärstrategischer Anlagen wie Häfen. In der Ostukraine will sich Moskau die Schwerindustrie und die Militärindustrie sichern. Dort werden beispielsweise die Getriebe für russische Schiffe und Panzer erstellt.

Arctic de

In der Arktis will sich Moskau einen möglichst großen Stück des Rohstoffkuchens sichern. Durch den Klimwandel werden große Bereiche der Arktis und des grönländischen Eispanzers auftauen und unvorstellbare Mengen an Bodenschätzen freigeben.

Während Grönland eine autonome Republik der dänischen parlamentarischen Demokratie ist und daher klar dem westlichen Einflussbereich unterliegt, und sich dort amerikanische, kanadische und europäische Konzerne die Suche nach Bodenschätzen teilen, will sich Russland im Bereich des Nordpols eine gute Startposition verschaffen. Die neue aussenpolitische Doktrin des Pseudo-Demokraten Putin leitet sich dabei aus einem erneuerten national-chauvinistischen russischen Selbstverständnis ab, das nach Weltgeltung, Einfluss und neuer Größe strebt. Dabei greift Putin ohne Bedenken auf militärische Stärke zurück, um die europäische, amerikanische und asiatische Konkurrenz einzuschüchtern und auf Distanz zu bringen.

Diese neue aussenpolitische Doktrin Russlands  steht dem europäischen Verständnis einer partnerschaftlich und möglichst fair ausgehandeltem Interessenausgleichspolitk diametral entgegen. Es wäre interessant zu erfahren, wie die europäischen Staaten auf diese sehr „robuste“ neue Doktrin Russlands reagieren, um den Zugang zu Rohstofflagerstätten für die europäische Industrie und den Verbraucher abzusichern, ohne sich in weitere Abhängigkeiten zu Russland zu begeben. Europa scheint durch diese robuste Machtpolitik Russlands dazu gezwungen zu werden, sein eigenes Modell der Partnerschaft überdenken zu müssen. Europa muss es daher schaffen, einerseits seine geostrategischen Ziele zu formulieren und andererseits seine Fähigkeiten zur Erlangung dieser Ziele zu erweitern, um sich gegen eine aggressiv-imperialistische geostrategische Machtpolitik Russlands zu behaupten.

Auch völkerrechtlich gibt es bisher keine genauen Festlegungen der zukünftigen Aufteilung der Arktis, was für einzelne Akteure einen weiten Spielraum eröffnet: Aus russischer Sicht sei – Zitat “ der Meeresboden eine natürliche Verlängerung des russischen Festlands und daher gehöre der Nordpol zu Russland.“ Russland wolle dies durch einen Antrag bei den Vereinten Nationen offiziell feststellen lassen, heisst es in einem Artikel im Handelsblatt.

In Grönland werden schätzungsweise 20 Prozent der weltweiten Reserven an Bodenschätzen vermutet. In der Arktis liegen schätzungsweise 25 Prozent der weltweiten Erdölreserven.

Neben den Folgen der Erderwärmung kommen dann weitere Folgen durch den Abbau der Bodenschätze in den jetzt noch gefrorenen Erdregionen hinzu. Was passiert, wenn die Polkappen schmelzen beschreibt ein Szenario des Nature Funds: der Golfstrom der Europa mit Wärme versorgt könnte versiegen und Europa könnte ein Temperatursturz bevorstehen. Auch ein Artikel bei Spiegel Online beschäftigt sich mit der Frage, was passiert, wenn das Eis in Grönland schmilzt.

Jede Katastrophe hat auch ihr Gutes“ sagt der Volksmund – so auch in Grönland: schon jetzt können immer mehr vom Eis befreite Felder durch die höheren Temperaturen verstärkt zum Anbau von Getreide, Kartoffeln und anderen Pflanzen genutzt werden

Die Rivalitäten um die Bodenschätze Grönlands und der Arktis nehmen daher langsam an Fahrt auf. Auch Seltene Erden , die beispielsweise für die Chip-Produktion für Computer und Telefone benötigt werden, gehören dazu. Bisher hat China einen weltweiten Förderanteil von geschätzt ca. 90 bis 95 Prozent dieses Rohstoffs und damit eine für den Westen unangenehme Monopolstellung.

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