Angriffe der Türkei auf kurdische Stellungen sind nicht zu rechtfertigen

von Freddy Kühne

Die Angriffe gegen die Kurden haben rein gar nichts mit Selbstverteidigung der Türkei zu tun: es geht dem türkischen Präsidenten Erdogan und seiner AKP bloß darum, die innenpolitisch bei den letzten Wahlen erfolgreiche gemäßigte Kurdenpartei (13 Prozent), welche damit die absolute Mehrheit für die AKP und für Erdogans Träume vom großen osmanischen Reich verhindert hat, zu isolieren.

Präsident Erdogan forciert hier bewusst eine gewaltsame Auseinandersetzung mit den Kurden, um später dann den starken Mann für die Türkei geben zu können und wieder verstärkt Wähler hinter sich zu scharen.

 

Seine Begründung, dies zur Selbstverteidigung für die Türkei zu zu müssen, entlarvt am ehesten seine eigenen Vorstellungen welch eine Türkei er darunter versteht: wohl eine Türkei ohne Autonomie und Selbstbestimmung für die Kurden. Erdogan schlägt lieber den Weg des Bürgerkriegs ein, um eine geographisch große Türkei zu erhalten; von seinen Träumen über ein neues osmanisches Großreich ganz zu schweigen. Für diese Großmachtträume torpediert und zerbombt er auch gerne die Friedensverhandlungen mit den Kurden.

Daher ist hier der offiziellen Darstellung der US-Regierung zu widersprechen, die  Angriffe türkischer Kampfflugzeuge  gegen kurdische Stellungen und die Verhaftungswelle innerhalb der Türkei  wäre ein berechtigter Antiterrorkampf.
Die Kurden haben in den vergangenen Jahren ihre Bereitschaft zum Friedensprozess mit der Türkei gezeigt und ihre Bereitschaft zum Kampf gegen die Terroristen vom IS unter Beweis gestellt: dafür gebührt ihnen auch das Recht auf eigene Autonomie auf türkischem und irakischem Boden.

Nur wenn die Türkei den Kurden mehr Freiheit einräumt, wird sie dauerhaften Frieden erhalten. Und nur dieser Friede wird zwei Gewinner hervorbringen. Krieg zwischen beiden dagegen nur Verlierer.

Dass die Türkei nun aber nach viel zu langem Taktieren und Lavieren endlich gegen die Terroristen von IS vorgeht, sollte zwar  Zuspruch und Anerkennung und Unterstützung verdienen.

Dennoch handelt und handelte die Türkei – wie schon zuvor, als sie den Kämpfern des IS freie Hand gegen Assad und die Kurden und Durchfahrt sowie medizinische Behandlung gewährte – lediglich nur im eigenen Interesse.

Mahnmal zum Gedenken an die armenischen Opfer des Völkermords in der Türkei

Der Friedensprozeß – und darauf müssen wir Deutschen nach unserem tatenlosem Wegsehen beim Völkermord der Türkei an den Armeniern von 1914 bis 1920 unnachgiebig dringen – zwischen der Türkei und den Kurden muss fortgesetzt werden. Nicht noch einmal darf Deutschland bei seinem Verbündeten Türkei die Augen vor Unrecht verschließen.

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