Die Hybris der Willkommenskultur: narzisstische und ineffiziente Selbsttherapie?

von Stephan Eissler*

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Stephan Eissler

Weihnachten wurde dieses Jahr  ganz besonders gerne zum Anlass genommen, um daran zu erinnern, dass Maria, Josef und der kleine Jesus auch Flüchtlinge gewesen sind.

Weihnachten ist nun vorüber. Es ist daher an der Zeit, den deutschen moralischen Herrenmenschen zu erklären, dass die deutsche Willkommenskultur keine moderne Version des Krippenspiels ist. Ganz im Gegenteil!
DIE „GROSSARTIGE DEUTSCHE WILLKOMMENSKULTUR“ BEDEUTET…
…MIT SEHR VIEL GELD SEHR WENIGEN MENSCHEN HELFEN.
Wir feiern uns derzeit als neue moralische Großmacht, weil wir – auf unabsehbar lange Zeit – pro Jahr über 30 Milliarden Euro für die Verwaltung, Versorgung und Unerbringung von knapp 1% aller Menschen auszugeben wollen, die weltweit auf der Flucht sind; dabei versorgten wir mit einem Teil dieser über 30 Milliarden Euro auch sehr viele junge Männer, die weder vor Krieg noch vor politischer Verfolgung geflohen sind.

Gleichzeitig kümmern uns die restlichen 99% der Flüchtlinge herzlich wenig – soll sich doch jemand anderes darum kümmern!

Rechnet man die über 30 Milliarden Euro pro Jahr auf jene „echten“ Flüchtinge um, die wir bei uns in Deutschland aufgenommen haben, so kann man davon ausgehen, dass wir pro Flüchtling mindestens das zwanzig- bis dreißigfache dessen ausgeben, was für die restlichen 99% der Flüchtlinge pro Kopf zur Verfügung steht.

Anders gesagt: Mit weniger als der Hälfte des Geldes, das wir jedes Jahr hier in Deutschland für Flüchtlinge verballern, könnten wir vor Ort zehn mal mehr Flüchtlingen helfen! Die andere Hälfte könnten wir dafür verwenden, um unser Bildungssystem und unsere Infrastrukturen so aufzustellen, dass wir auch noch in 20 Jahren in der Lage sind, hilfsbedürftigen Menschen weltweit zu helfen.
… MIT SEHR VIEL GELD DEN FALSCHEN HELFEN
Statt dessen senden wir ein eindeutiges Signal in die Welt: Wer unsere Hilfe möchte, der soll gefälligst seinen Arsch hierher nach Deutschland bewegen!

Dabei ist völlig klar, dass es NICHT die Hilfsbedürftigsten dieser Welt sind, die diesem Ruf folgen und zu uns kommen. Denn die Hilfsbedürftigsten dieser Welt zeichnen sich unter anderem ja gerade dadurch aus, dass sie finanziell und/oder körperlich nicht dazu in der Lage sind, mehrere tausend Kilomenter zurück zu legen, dafür tausende von Dollar auszugeben, um sich anschließen von uns helfen zu lassen. Statt dessen kommen schlicht diejenigen, die dazu in der Lage sind: Also diejenigen, die sowohl fit genug für den langen beschwerlichen Weg sind, wie auch genügend Geld dafür haben.

Während also eine kleine Zahl vergleichsweise wenig hilfs- und schutzbedürftiger Flüchtlinge (zuzüglich einer unbestimmten Menge an Glücksritter, Kleinkrimmineller und Gotteskrieger) hier in Deutschland mit einem historisch einzigartigen Ressourceneinsatz betüttelt und umsorgt wird, muss sich der große Rest der viel hilfsbedürftigeren Flüchtlinge rund um die Krisenregionen dieser Welt mit einem kläglichen und unzureichenden Rest an humanitärer Hilfe begnügen.
…WÄHREND DIEJENIGEN, DIE BEI DER ECHTEN HILFE DIE HAUPTLAST TRAGEN, VON UNS KAUM UNTERSTÜTZUNG ERHALTEN
Häufig wird vergessen, dass bei nahezu allen Krisen weltweit die Nachbarstaaten die Hauptlast der Flüchtlingshilfe zu leisten haben: 90% aller Flüchtlinge suchen innerhalb des eigenen Landes oder in einem Nachbarstaaten Schutz. Meistens handelt es sich dabei um sehr arme Länder, die für ihre enorme humanitäre Leistung vergleichsweise wenig internationale Unterstützung erhalten.

Möchte man möglichst vielen Flüchtlingen helfen, muss man also den Nachbarstaaten in den Krisenregionen helfen!

Würden westliche Industriestaaten keine Flüchtlinge aufnehmen, sondern statt dessen mit einem Drittel des dadurch eingesparten Geldes die Anrainerstaaten in Krisenregionen sinnvoll unterstützen, ließe sich dadurch nicht nur die Lebenssituation von sehr viel mehr Flüchtlingen dramatisch verbessern – auch für diese Anrainerstaaten wären Flüchtlinge auf diese Weise nicht mehr Belastung, sondern eine Chance: Denn von den Industriestaaten finanzierte Flüchtlingshilfe vor Ort würde Arbeitsplätze und eine gut bezahlte Nachfrage nach einheimischen Waren und Dienstleistungen schaffen.
…WÄHREND DIE WIRKLICH HILFSBEDÜRFTIGEN DARBEN UND STERBEN
3,1 Millionen Kinder unter 5 Jahre sterben jährlich an Hunger und Unterernährung. Das sind rund 8500 Kinder pro Tag oder alle zehn Sekunden ein Kind.

Nur mal so zum Vergleich: Derzeit geben wir hier in Deutschland über 8000 Euro pro Monat für die Rundumversorgung eines jeden unbegleiteten minderjährigen Flüchtings aus, von denen wir derzeit zig-tausende versorgen. Nicht wenige davon sind übrigens schon lange keine Minderjährigen mehr.

Alleine mit dem Geld, das wir in diesem Jahr für die 42 000 unbegleiteten minderjährige Flüchtlinge ausgegeben haben, die im letzten Jahr zu uns gekommenen sind, könnten wir also theoretisch nicht nur für eine ausreichende Ernährung jener 3,1 Millionen kleinen Kinder sorgen, die in diesem Jahr an Unterernährung gestorben sind, wir hätten sogar noch deren medizinische Versorgung finanzieren können.
WARUM LEISTEN WIR UNS EINE SO FEHLGELEITETE HILFE?
Ich wage zu behaupten: Was wir im Rahmen unserer deutschen „Willkommenskultur“ derzeit veranstalten ist die wohl absurdeste Fehlallokation von Hilfsressourcen in der Geschichte der Menschheit!

Da stellt sich natürlich die Frage: Warum machen wir so etwas im Namen der Humanität?

Aus meiner Sicht lässt sich dieser Willkommens-Irrsinn nur durch das Zusammenwirken verschiedener Faktoren erklären:

ERSTENS sorgen wir durch diese Form der Hilfe dafür, dass das Geld bei uns im Land bleibt. Indem wir fast ausschließlich denen helfen, die es bis nach Deutschland geschafft haben, helfen wir also vor allem denen, die uns am meisten am Herzen liegen: uns selbst! Denn das, was ich die „Willkommens-Industrie“ nenne, ist inzwischen die wohl am schnellsten wachsende Boom-Branche in Deutschland. Flüchtlingshilfe in Deutschland ist ein Milliarden-Markt!
Die Wahrheit ist also, dass sehr, sehr viele Menschen und caritative Einrichtungen (ganz besonders auch die der beiden großen Kirchen) von der Flüchtlingshilfe profitieren.

ZWEITENS ist für viele mindestens ebenso wichtig, dass der Glaube an die eigene moralische und humanitäre Großartigkeit in der Flüchtlingsarbeit seine praktische Bestätigung finden kann. Das ist auch der Grund, warum Kritik an der Willkommenskultur viel heftigere Reaktionen provoziert, als dies bei anderen gesellschaftspolitischen Kontroversen der Fall ist: Denn wer die Großartigkeit der Willkommenskultur in Frage stellt, der stellt die fragile Gewissheit um die eigene moralische und humanitäre Großartigkeit in Frage!

Es geht eben nicht nur um Hilfe für Flüchtlinge, es geht unter anderem auch (in individuell unterschiedlicher Gewichtung) um ein neu gewonnenes Selbstverständnis, um ein persönlich sinnstiftendes Engagement, um alternative Gesellschaftsentwürfe und Weltanschauungen, aber auch um die Befürchtung, dass eine andere Flüchtlingspolitik womöglich nicht nur besser für Flüchtlinge wäre, sondern auch den Rechtspopulisten besser in den Kram passen würde. Und letzteres wiegt praktisch immer schwerer, als das Schicksal irgendwelcher Flüchtlinge irgendwo ganz weit weg… genau so ticken sie leider, die moralischen Herrenmenschen.
DIE KIRCHE – DER TEMPEL DER MORALISCHEN HERRENMENSCHEN
Müsste Josef mit Frau und Kind heute fliehen, würde die junge Familie ebenfalls ins benachbarte Ausland flüchten. Genau so, wie vor über 2000 Jahren. Genau so, wie es auch heute 90% aller Flüchtlinge tun. Von unseren Kirchen hätten Jesus und seine Eltern deshalb auch keinerlei Hilfe zu erwarten.

Vor diesem Hintergrund wirkt es auf ekelerregende Weise selbstgefällig und pharisäerhaft, wenn in den kirchlichen Predigten das Hohelied auf die deutsche Willkommenskultur angestimmt wird, während die Kritiker dieser Willkommenskultur als unchristlich gebranntmarkt werden. Würde Jesus heute leben, würde er ihn den kirchlichen „Würdenträgern“ jene Pharisäer wiedererkennen, mit denen er sich bereits vor über 2000 Jahren herumschlagen musste.

Vor diesem Hintergrund lässt es auch tief blicken, wenn für Gottesdienste allen Ernstes Flüchtlingsboote zu Altären umfunktioniert werden: die Kirchen haben ihn wieder begonnen, den Tanz ums goldene Kalb…

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Stephan Eissler,  Mitglied im Vorstand der AfD Tübingen

 

WEITERE BEITRÄGE ZUM THEMA:

1. THEMA: „Flüchtlingspolitik“

Diese Flüchtlingspolitik ist die wohl absurdesten Fehlallokation von „Hilfsressourcen“ in der Geschichte der Menschheit:
https://www.facebook.com/afdtue/posts/1346655692021069

Diese Flüchtlingspolitik ist narzisstisch und für die wirklich hilfsbedürftigen dieser Welt wenig hilfreich:
https://www.facebook.com/afdtue/posts/1320222671331038

Diese Flüchtlingspolitik tötet Menschen:
https://www.facebook.com/afdtue/posts/1274365292583443
2. THEMA: „die Kirchen und die deutsche Flüchtlingspolitik“:
Dem Ort, an dem die meisten moralischen Herrenmenschen irrlichtern, habe ich drei eigene Beiträge gewidmet:

Teil I:
HAT DIE KIRCHE ETWAS MIT DEM CHRISTENTUM ZU TUN?
– Eine Polemik anlässlich des 100. Katholikentags –
https://www.facebook.com/afdtue/posts/1220869801266326

Teil II:
FÜR DIE KIRCHEN IST NEHMEN SELIGER ALS GEBEN!
https://www.facebook.com/afdtue/posts/1222102227809750

Teil III:
IHR KÖNNT NICHT GOTT DIENEN UND DEM MAMMON (Matthäus 6 Vers 24)
https://www.facebook.com/afdtue/posts/1237338126286160

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