Warum ich ein Rechter bin

Gedanken und Begriffsdefinitionen zum politischen Spektrum

von Karl Wächter 
mit einem Vorwort von Freddy Kühne

Politische Begriffe und Richtungsdefinitionen werden heute allgemein missdeutet und falsch angewendet. Inzwischen definieren sich möglichst alle Parteien als „zur Mitte“ oder zur „Bürgerlichkeit“ gehörend , darunter CDU,CSU,FDP, SPD und in Teilen auch die Grünen – als auch die Alternative für Deutschland AfD. 

Politisches Wertedreieck (gemeinfrei)

In Deutschland kommt die Schwierigkeit hinzu, dass der Begriff „Rechts“ häufig von politisch links bis linksextrem eingestellten Personen und Organisationen mit „Rechtsextrem“ und „Rechtsradikal“ unzulässigerweise einfach gleichgesetzt wird. Auch geschichtliche Festlegungen der NSDAP als Rechtsextreme ist umstritten.  Es gibt plausible Gründe, warum „Konservative“ bzw. „Rechte“ die Partei der  NSDAP als nationale  Sozialisten eher in das linksextreme Spektrum verorten, während „Linke“ die NSDAP lieber unter Nationalisten als „Rechtsextremisten“ betiteln. Hintergrund dieser verschiedenen Definitionen ist, dass in Deutschland jedes politische Lager unausgesprochen eine Identifikation mit dem dritten Reich und dessen Verbrechen ablehnt – und dem politischen Gegner nur zu gerne diese historische Last unterschieben möchte….

Die Gleichsetzung von „Rechts“ mit „Braun“ ist sowieso grundverkehrt. Rechte, die sich zugern selbst als Konservative bezeichnen, gehen regelrecht „unter die Decke“ wenn sie mit „Braunen“ von „Linken“ gleichgesetzt werden. Denn „Konservative“ und „Rechte“ identifizieren sich eher mit den konservativen Widerstandskämpfern des 20. Juli des Offizierskorps der Wehrmacht um Stauffenberg und Co. 

Überdies gibt es individuelle Mischungen zwischen diesen Modellen, beispielsweise diese beiden:  Personen die gesellschaftspolitisch konservativ, aber wirtschaftspolitisch liberal denken oder Menschen die gesellschaftspolitisch liberal und wirtschaftspolitisch etatistisch-sozialistisch denken. Zudem gibt es transatlantische Rechte oder eurasische Rechte, die in vielen Punkten über keine Gemeinsamkeiten verfügen.

Zum besseren Verständnis sind diesem Artikel auch alternative politische  Modellzeichnungen beigefügt.

Ich bin ein Rechter

Hufeisenmodell zum Politischen Spektrum (gemeinfrei)

 

von Karl Wächter

Der Dresdner Politikwissenschaftler Werner Patzelt beschreibt die Okkupation des politischen Spektrums durch die Funktionselite in Politik und Medien zutreffend: „Sehr viele Medien und ein Großteil der Politiker verstehen sich als Verteidiger folgenden bundesdeutschen Konsenses: Linke Positionen sind gut, mittige auch; alles rechts der Mitte ist aber problematisch, weil es dann gleichsam einen unwiderstehlichen Sog hin zum „Rechtspopulismus“, Rechtsextremismus und Nazismus gibt.

Was sich rechts der Mitte artikuliert, ist also vermutlich falsch und tendenziell feindlich und was man als klar rechts erkennt, das ist dann auch schon faschistisch.“ (Junge Freiheit 5/15, S. 3) Wie definiere ich „Rechts“ und „Links“? „Rechts“ ist eine notwendige und Symmetrie wahrende Position innerhalb des politischen Spektrums: linksextrem – linksradikal – links – (Mitte) – rechts – rechtsradikal – rechtsextrem Ich habe die „Mitte“ in Klammern gesetzt, weil diese für mich eine nicht greifbare Position ist. Aber darüber kann man gewiss streiten.  Politisches Spektrum gemeinfrei

„Rechts“ bedeutet für mich: eigenverantwortlich, leistungsbereit, für die Freiheit und Persönlichkeit des Individuums eintretend (Individualismus), die kulturelle Identität würdigend, für die Vielfalt eintretend – gegen die Gleichmacherei von (biologisch) Ungleichem, gegen staatliche Gängelung und patriotisch. Rechts unterstellt immergültige Werte, die es zu verteidigen lohnt. Manche nennen das konservativ. Rechts heißt, den Menschen so akzeptieren wie er ist und auf dieser Basis die Welt vernünftig zu gestalten. Rechts sieht gewachsene Traditionen und die Solidarität in der Kleingruppe (bis hin zum Nationalstaat) als soziale Stabilitätsanker und als biologisch getrieben. Rechts steht für Vertikalität und Subsidiarität.

„Links“ definiere ich grundsätzlich als dogmatischen Egalitarismus bzw. Kollektivismus. Der Einzelne muß sich dem Kollektiv unterordnen. Das Kollektiv (Staat) entscheidet, was für das Individuum „gut“ ist. Dazu bedarf es einer zentralistischen politischen Ordnung. Stets müssen „Benachteiligte“ auf Kosten der Mehrheit gefördert werden. Jede Mehrheit, jeder Unterschied – mit anderen Worte: jede Polarität – ist verdächtig, unerwünscht und bekämpfungswürdig und muß ausgeglichen werden. Links steht für Einfalt und Horizontalismus. Das Verfolgen nationaler Interessen ist unerwünscht. Stattdessen werden die Interessen einer fiktiven, tatsächlich nicht existierenden „Nation“ Europas vertreten.

Nolan-Diagramm gemeinfrei

Im wirtschaftlichen Bereich z.B. bedeutet das, dass die „Verteilungs-Gerechtigkeit“ im Vordergrund steht, nicht aber das das Leistungsprinzip. Die Linken sind sich bewußt, daß dies einen „neuen“ Menschen verlangt, der durch entsprechende „Schulung“ (d.h. Indoktrinierung) erreicht werden soll. (Siehe Hitler, Stalin und Mao.) „Links“ glaubt sich im moralischen Vorteil, weil es das „Gute“ erzwingen will, koste es was es wolle.

„Rechts“ akzeptiert Strukturen, die es als praktisch unverrückbar betrachtet.

Kurz zu „Rechts“ und „Braun“. Diese perfide Gleichsetzung ist die entscheidende „Leistung“ der Neomarxisten der Frankfurter Schule (Grundlage der 68er). Tatsächlich nationale Sozialisten hatten deutlich linke Züge. Hier einige Argumente: – Es sollte ein rigider Sozialismus errichtet werden. – Egalitäres Menschenbild, idealisierte „Volksgenossenschaft“ – Ziel der Abschaffung der alten – aus NS-Sicht – „reaktionären“ Eliten. (Klassisch linker Egalitarismus) – geradezu „ritueller“ Antikapitalismus – Hitler beschäftigte sich mit der Abschaffung des Privateigentums (an Grund und Boden) nach dem Kriegsende – „Der Idee der NSDAP entsprechend sind wir die deutsche Linke… Nichts ist uns verhasster als der rechtsstehende nationale Besitzbürgerblock.“ (Joseph Goebbels, 1931 in „Der Angriff“) Sebastian Haffner, Joachim Fest und Götz Aly haben die linke Positionierung der National-Sozialisten gut beschrieben. (Erika Steinbach griff das in 2012 auf und sorgte für große Entrüstung im linken Lager.)

In jedem Fall waren die nationalen Sozialisten keine rechte Bewegung. Die einzigen innenpolitischen Gegner oder Konkurrenten, mit denen Hitler in den Jahren 1930-1934 ernsthaft zu rechnen und zeitweise zu kämpfen hatte, waren die Konservativen. Die Liberalen, Zentrumsleute und Sozialdemokraten haben ihm nie im geringsten zu schaffen gemacht, ebensowenig die Kommunisten. Anders gesagt: Wäre die Rechte stärker gewesen hätte Hitler vielleicht verhindert werden können.

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Weitere Lektüre zum Thema:

Politische Spektren Modellbeispiele Wiki

Rechts-Links-Schema BPB

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