Aus der Geschichte lernen, heißt Extreme meiden

Das Ende  deutscher Sonderwege

 

von Freddy Kühne

 

Berlin_Neue_Synagoge_2005

Dieser Tage las ich davon, dass ein Oberbürgermeister in einer Großstadt in Nordrhein-Westfalen anlässlich der Reichpogromnacht anregte, eine Gedenkstätte zu errichten, um der Vernichtung der Juden zu gedenken. Bis zu diesem Gedankengang schlug und schlägt mein Herz vollkommen auf derselben Taktfrequenz, wie die des Oberbürgermeisters: die Errichtung einer solchen Gedenkstätte befürworte ich in jedem Fall und grundsätzlich. Menschen aller Generationen und aus aller Herren Länder – auch aus dem islamischen Kulturraum -sollten lernen, dass Antisemitismus und also Judenverfolgung in Deutschland nie wieder geduldet werden darf. Keinen Jota Platz darf es dafür mehr geben. Nie wieder.

Andererseits verknüpfte der Amtsträger dieses Gedenken an die aus meinem Empfinden und Verständnis jedoch heute völlig anders gelagerte Situation.  

Die Verknüpfung der Schoa zur heutigen millionenfachen Einwanderung von Menschen aus dem islamischen Kulturkreis über drei, vier oder sieben sichere Drittstaaten bis hin in die Sozialsysteme Deutschlands, Schwedens oder der Niederlanden hinkt aus meiner Sicht.

Zur Zeit der Diktatur der nationalen Sozialisten konnten die Juden in keine sicheren Länder mehr fliehen, weil dort ihre Peiniger ebenfalls schon einmarschiert waren, oder kurz danach einmarschierten. Die Juden rannten also tatsächlich um ihr nacktes Leben.

In der heutigen Zeit allerdings sind Syrer, Pakistanis, Afghanen oder Afrikaner über etliche tatsächlich sichere Drittstaaten wie Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Kroatien, Slowenien, Österreich usw. gereist, bis sie überhaupt nach Schweden, Deutschland oder die Niederlande gelangen. 

Der Satz  Merkels „Zäune bringen nichts“ im Hinblick auf die Massenzuwanderung scheint zwar auf den ersten Blick den Tatsachen zu entsprechen, aber auf den zweiten Blick entblößt dieser Satz die  Kapitulation des Geistes und Willens der Staatsführung und Regierung , dem vom Staatsvolke erteilten Mandat zum Schutze der  Interessen des Staatsvolkes nachzukommen. Der Regierungauftrag lautet nämlich in allererster Linie „zum Wohle des deutschen Volkes“ zu regieren , was implizit das soziale, finanzielle und kulturelle Wohl des Volkes einschließt.

Eine Staatsführung, die den grenzenlosen bzw. völlig entgrenzten Staat propagiert, schafft damit die Grundlagen der Staatsführung, nämlich den Staat und das Staatsvolk an sich ab.

Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass wir Deutschen nicht von einem politischen Extrem (Verfolgung und industrielle Vernichtung von Juden und anderen Minderheiten, Anzetteln von Kriegen) in das andere politische Extrem verfallen, dass da heißt, man müsse  für Millionen von Menschen unbegrenzte Einreise zulassen und unbegrenzte Hilfe leisten. Letzteres grenzt ebenfalls wieder an eine Hybris. Und zwar an die Hybris der Selbstüberschätzung als Retter der Welt.  Eine solche Selbstüberschätzung endet nicht selten im BurnOut;  also im Ausgebranntsein des Helfers. 

Das eine Extrem der Selbstüberhöhung des eigenen Volkes führte zu Weltkrieg, Rassenhass und Vernichtung von Menschenleben.

Das andere Extrem, bestehend aus einerseits teilweise starker Selbstmißachtung der eigenen Interessen, Tradition und Kultur und anderseits bestehend aus der Hybris alle Probleme der Welt könne der eigene Nationalstaat lösen (Stichwort „Wir schaffen das“) , könnte  zu Verlust von innerer Ordnung, sozialer Sicherheit, innerem Frieden, finanzieller Stabilität sowie kultureller Identität führen.

Beide Arten der Selbstüberschätzung sind gefährlich. Beide Arten der Selbstüberschätzung sollten wir Deutsche meiden.

Wir Deutsche sollten endlich einmal lernen, den gesunden Weg der Mitte, des Mittelmaßes gehen zu wollen. Wir sollten darauf verzichten lernen, andere Europäer maßregeln zu wollen, die sich sinnvollerweise erneut unserer Hybris der Selbstüberschätzung – diesmal als Retter aller Flüchtlinge der Welt –  nicht anzuschließen vermögen. 

Als Deutsche können wir vielmehr auch in der heutigen Situation und in der heutigen Zeit von unseren europäischen Nachbarn  – von Ungarn, Polen, Slowaken, Dänen und Briten  – lernen, was es heißt, die Situation und die eigenen Möglichkeiten realistisch einzuschätzen. 

Wir sollten endlich aufhören, unsere Nachbarn herumzukommandieren, wir sollten endlich aufhören uns als Oberlehrer aufzuspielen und den Nachbarn unseren Stempel aufzudrücken. 

Andersherum wird ein Schuh draus: wir sollten einmal auf die Argumente der Ungarn, Polen, Italiener, Dänen, Briten und Slowaken hören und auf sie eingehen. Das wäre wahrhaft europäische Politik und das Ende eines deutschen Sonderweges.

 

Absatz und Zusatz:

Wenn mich nicht alles täuscht, versucht die Alternative für Deutschland genau diesen ideologieärmeren Weg als Schneise in die vorhandene politischen Landschaft einzuschlagen. Dabei tritt sie jedoch auf allerhand ideologische Minen, die die etablierten Parteien im Zeitraum der letzten 70 Jahre sorgfältig im gegenseitigen Ringen definiert, vermessen und im politischen Raum verlegt haben. Und aus genau diesem Grund wird sie als neuer Akteur auch von allen etablierten Parteien zugleich angegangen. 

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