Geschichte: Wie entstand der zweite Weltkrieg?

Generalmajor a.D. Gerd Schultze-Rhonhof spricht in München über die Kriegsursachen 1939

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Bildquelle: Wikimedia Commons / San Jose 

von Freddy Kühne

Auch für mich sind viele dieser von Schultze-Rhonhof geschilderten Tatsachen noch neu – obwohl ich mich als Urenkel des ersten Kammerdieners des letzten deutschen Kaisers durchaus für die Vorgeschichte der Weltkriege interessiere. Derzeit lese ich aber noch das Buch „Die Schlafwandler – Wie Europa in den ersten Weltkrieg zog“ des Historikers Christopher Clark (austral./britisch).

Wenn man wirklich ernsthaft an der Wahrheit interessiert ist – dann wird man gewahr – wie sehr wir in der Schule im Geschichtsunterricht desinformiert worden sind.
Eine Folge dieser Desinformation ist auch die Entstehung der 68er Generation und der fehlende Patriotismus Deutschlands heute – und in den extremsten Formen zum Selbsthass („Deutschland verrecke“).

In seinem Vortrag streift Schultze-Rhonhof primär die Details des Verlustes der deutschen Ostgebiete an Polen nach Ende des ersten Weltkrieges sowie die von der polnischen Regierung nach 1920 betriebene repressive Minderheitenpolitik (ab 1926 auch gezielte „Entdeutschungspolitik“) und starke Nationalisierungspolitik und schildert die Verhandlungen zwischen Deutschland, England und Polen in den Jahren vor Beginn des zweiten Weltkriegs.

Dabei stellt dieser Bereich nur einen Sektor der Gründe für die Entstehung des zweiten Weltkriegs dar. In Wirklichkeit waren auch noch viele andere Folgen des ersten Weltkriegs Auslöser zur Entstehung des zweiten Weltkriegs. Darunter die Tatsache, dass Deutschland nach dem ersten Weltkrieg wider besseren Wissens die alleinige Kriegsschuld inklusive Reparationen auferlegt worden ist.

Dabei geht es nicht um Leugnung und Relativierung von tatsächlicher faktischer Kriegsschuld und Kriegsverbrechen – sondern es geht um die historische Wahrheit  sowie um ein objektiveres Verständnis der Ursachen und Wirkungen und Zusammenhänge 70 Jahre nach Kriegsende, damit das Schwarz-Weiß-Denken – hier der satanische Deutsche und dort die engelsgleichen anderen Nationen – durch eine differenzierte Sicht- und Denkweise ersetzt werden kann : „Der 2. Weltkrieg hatte eben viele Väter“.

Eine solche differenzierte und auf neuesten historischen Fakten basierende Sichtweise ist für eine positive Identifikation der Deutschen mit ihrer Kultur und Geschichte und ihrer Nation hilfreich und auch dringend notwendig – damit eine gesunde Selbstbehauptungsfähigkeit zum Erhalt der christlich-jüdischen Kultur deutscher Prägung mit ihren seit dem 9. Jahrhundert entwickelten Traditionen und Sitten auch in Zukunft gewährleistet werden kann.

Die kulturelle Selbstaufgabe oder Selbstvernichtung  (z.B. durch unkontrollierte ungesteuerte Einwanderung aus anderen Kulturkreisen nach Deutschland) – als Fall ins Gegenextrem – kann und darf jedenfalls nach der schrecklichen Schoah an den Juden nicht das Endergebnis und Endstation deutscher Geschichte sein.

Da der Panzergeneral a.D. Herr Schultze-Rhonhof sich auf inzwischen öffentlich zugängliche Archivquellen im Aussenministerium Deutschlands , Frankreichs und Amerikas bezieht ist von einer hohen Seriosität und Zuverlässigkeit seiner Aussagen auszugehen.

Unter dem  Video  finden Sie die  Einordnung der Aussagen Schultze-Rhonhofs  aus der Sichtweise  Herrn Waldemar Alexander Pabst in den historischen Kontext.

weitere Artikel / Quellen :

 Die Mär von der alleinigen Kriegsschuld Deutschlands an den beiden Weltkriegen 

Deutsche Minderheiten in der Zwischenkriegszeit 

 

Einordnung der Aussagen von General a.D. Schultze-Rhonhof durch Herrn Waldemar Alexander Pabst (Hamburg):

„Das alles stimmt und doch spielt es für die deutsche Kriegspolitik überhaupt keine Rolle. Die deutschen Minderheiten beispielsweise spielten nur dann für Hitler eine Rolle wenn aus ihnen Propagandavorwände geschaffen werden konnten. Das zeigt sich deutlich an den Südtirolern, die ihm so egal waren, dass er sie am Ende auf die Krim deportieren wollte. Die deutsche Zielsetzung war die Schaffung einer Grenze zur Sowjetunion um von dort aus den Vernichtungskrieg zur Schaffung des Lebensraumes im Osten beginnen zu können. Die deutsche Polenpolitik war davon bestimmt. Die polnische Behandlung der deutschen Minderheit hat Hitler ja auch nicht gestört, zum Entsetzen der deutschen Altrechten, einen Nichtangriffspakt mit Polen gleich zu Beginn seiner Amtszeit abzuschließen. Seine Angebote an Polen seit 38 waren kaum verdeckte Bündnisangebote zum Krieg gegen Russland. Polen hat das abgelehnt, um nicht deutsches Hilfsland zu werden. Damit war es in einer tödlichen Zwickmühle, denn es wollte natürlich genauso wenig Stalins Truppen im Land. England und Frankreich haben sich nach dem Bruch des Münchener Abkommens in der Tat entschieden, beim nächsten deutschen Vorstoß nicht mehr nachzugeben und dahin gesteuert. Das war eine der entscheidenden Sternstunden ihrer Politik, denn damit schlidderte Hitler in einen Krieg den er nicht wollte. Sein Konzept der Eroberung und Versklavung Osteuropas  unter Duldung der Westmächte war gescheitert. Zum Glück für Europa. Polen allerdings hatte keine Chance, eingeklemmt zwischen Deutschland und Russland war es verloren, wenn es an seiner Eigenständigkeit festhielt. Weder der Korridor noch die Minderheitenpolitik hatten eine andere Funktion als den Vorwand zu liefern. Hätte Polen sich bereit erklärt, mit den Deutschen gegen Russland zu gehen, wären die Polendeutschen den Nazis so egal gewesen wie die Südtiroler.“

 

Dazu noch der Kommentar Hans Bernd Ulrich: 

„Hi Freddy,

immer, wenn Du auf Deinen Urgroßvater zu sprechen kommst, denke ich an das hübsche Liedchen „I was Kaiser Bills Batmann“. Wird im nächsten Jahr fünfzig Jahre alt.

Nun zur Vorgeschichte des zweiten Weltkrieges: Schultze Rhonhof hat die historische Situation richtig bewertet und ausgewertet. Übrigens: Es sind noch längst nicht alle Archive der Alliierten öffentlich zugänglich. Da werden wir noch bis 2045 warten müßen, so lange beträgt die Sperrfrist für viele diplomatische und militärische Dokumente. Und es ist mehr als fraglich, ob auch dann alles freigegeben wird.- Die Aussagen von Pabst sind hochspekulativ und halten einer näheren Betrachtung nicht Stand. Denn der wesentliche Antrieb von Hitlers außenpolitischem Handeln war die Revision der Gebietsverluste von Versailles. Und da gehörten nun mal die Danzig, Bromberg, Oberschlesien und eben die Landverbindung zur durch Versailles gebildeten Enklave Ostpreußen dazu. Die Preisgabe von Südtirol an Mussolini war ein taktisches Manöver, um sich die Italiener als Bundesgenossen zu erhalten. Daß irgendwann Hitler die Vision: „Der Lebensraum des deutschen Volkes liegt im Osten“ in die Tat umgesetzt hätte, ist dazu kein Widerspruch. – Weder Wehrmacht noch Marine noch Luftwaffe waren im Herbst 1939 wirklich kriegsbereit. Die Rüstungsplanungen waren erst für 1945 auf den großen Krieg ausgerichtet. Hitler hatte sich 1939 schlichtweg verspekuliert. Und die schnellen Erfolge gegen Polen, Norwegen und Frankreich machten ihn übermütig. Der Rest ist bekannt.

Einen guten Rutsch wünscht Bernd“

 

Auszug eines Kommentars „Merkels Tote“ in der Basler Zeitung vom 24.12.2016  – passend zum Thema – Zitat:

„Als 1919 die Alliierten den Deutschen in Versailles bei Paris einen brutalen Frieden diktierten, schrieb der grosse englische Ökonom John ­Maynard Keynes, der der britischen Verhandlungsdelegation angehört hatte, danach ein kleines Büchlein: The Economic Consequences of the Peace, die wirtschaftlichen Folgen des Friedens­vertrages, worin er das Ergebnis scharf kritisierte und grosse Gefahren für Frieden und Wohlstand in ganz Europa voraussagte. Aus Protest hatte er sich kurz vor Abschluss aus den Verhandlungen zurückgezogen. Obschon diese Schrift Keynes welt­berühmt machte, wollte niemand im Westen je davon etwas gehört, noch sie überhaupt gelesen haben, auch wenn jedermann genau wusste, was darin stand: Der Mainstream hielt Keynes für eine lästige Fliege. Unmöglich, dass diese Fliege recht bekommen könnte. Man hasste ihn, man belächelte ihn, weil man ahnte, dass er einen Punkt hatte. Natürlich bekam Keynes recht – unter anderem weil er hellsichtig erkannt hatte, dass der Versailler Vertrag, entworfen in Zeiten des Übermuts und der Erleichterung nach einem langen Krieg, ein Regime schuf, das man nicht mehr loswurde. Man hatte sozusagen nicht damit gerechnet, dass sich die Umstände je ändern könnten. Es gab keine Revisions­möglichkeit, man hatte alles zu einem gordischen Knoten verknotet, den niemand mehr zu lösen verstand, und niemand getraute sich, sich ein Schwert geben zu lassen, um das Gewirr zu zerschlagen – es handelte sich um ein internationales Regime, das genau vorgab, wie die Länder und die Menschen sich zu verhalten hatten, und wenn das nicht geschah: Was dann? Die darauf folgende Geschichte ist bekannt. Länder verarmten, versanken in der Krise und radikalisierten sich – zum ­Beispiel Deutschland –, weil es sich dem internationalen Regime der Reparationen nicht mehr ­entwinden konnte, das aber auch die Franzosen und Briten und Amerikaner nicht zu verändern vermochten, selbst wenn sie es gewollt hätten, was durchaus der Fall war, ab und zu: Man sah ein, dass dieses System der angeblichen Friedensbewältigung nichts taugte, wusste aber nicht mehr ein noch aus, und hatte nicht die Kraft noch die ­Möglichkeit, es umzustürzen.

Wenn die Geschichte etwas lehrt, dann dies: Die Zeiten ändern sich. Alles, was Alternativlosigkeit vertraglich festschreibt, ist gefährlich – es ist lebensgefährlich. Dass keine Missverständnisse aufkommen: Deutschland hat den Ersten Weltkrieg zu Recht verloren, vor allem trug das Kaiserreich die grösste Verantwortung für dessen Ausbruch, wenn auch nicht ganz allein. Dennoch war der Versailler Friedensvertrag danach eine ­Fantasie von Siegern, ein Desaster, das im Bösen, im ganz Bösen kulminierte. Diese vergangene Geschichte endete mit dem Selbstmord von Adolf Hitler im Führerbunker zu Berlin.“ Zitatende. (Quelle: http://bazonline.ch/ausland/europa/merkels-tote/story/21047209)

 

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