Brexit: Nicht nur die Briten – auch die Deutschen könnten eine Sonderrolle beanspruchen.

von Freddy Kühne

Historiker Roland G. Asch*1: „die Briten beanspruchen eine Sonderrolle. Ihre lange Tradition der Freiheitsrechte haben für ein Geschichtsmythos und eine emotionales Überlegenheitsgefühl gesorgt.“ (frei zitiert)

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Doch auch wir Deutschen haben eine lange historische Tradition in Europa: das heilige römische Reich deutscher Nation begann im 9. Jahrhundert und währte bis 1806.
Bis dahin regierten gewählte Kaiser (aus Ostpreußen, den Niederlanden, Burgund, Luxembourg, Bayern, Böhmen und Mähren und dem Haus Habsburg) aus den deutschsprachigen Fürstentümern und Adelshäusern über den Großteil Europas und auch über Rom.

Von David Liuzzo, eagle by N3MO - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10025741

Banner des Hl. Röm. Reiches von 1400 bis 1806, David Liuzzo, Wikipedia

Aus einem solchen Geschichtsbewusstsein heraus, braucht sich auch der Deutsche nicht verstecken und kann einen neuen gesunden auf historischen Tatsachen basierenden Patriotismus aufbauen.
Zumal moderne Historiker wie Christopher Clark (Die Schlafwandler) klar belegen, dass

die einseitige Kriegsschuldzuweisung an Deutschland nach dem ersten Weltkrieg historisch nicht nur nicht zu halten ist – sondern dass sie auch schlichtweg vollkommen falsch ist: der erste Weltkrieg war das Ergebnis miteinander verketteter politischer Ziele und Fehleinschätzungen der Nationalstaaten und ihrer Koalitionen: das nationalistische Serbien wollte ein Großserbien werden und die Habsburger aus Mazedonien vertreiben: daher bekamen sie Finanzhilfen und Waffenlieferungen aus Frankreich.
Denn die Franzosen wollten Habsburg und Deutschland kleinhalten – und suchten daher stets Unterstützung in Russland und England.
Deutschland wollte eigentlich keinen Krieg und gestaltete seine Aussenpolitik nach der Maxime, das man die Beziehungen der Länder zu Deutschland und untereinander so gestalten müsse, dass sie automatisch dazu führen sollten, dass kein Land gegen Deutschland ins Felde ziehen könnte, ohne dabei die eigenen Interessen oder die Interessen eines Dritten zu tangieren.

Der deutsche Kaiser wollte nicht gegen seinen Cousin, den russischen Zaren ins Feld ziehen.
Doch der Nationalismus der Serben und die Ausdehnungspolitik des Hauses Habsburg und dessen Annexion Mazedoniens (genehmigt durch den russischen Aussenminister Iswolski, der dies jedoch nicht mit anderen Moskauer Politikern abgestimmt hatte) führten unweigerlich zur Radikalisierung der serbischen Nationalisten und infolgedessen zur Ermordung des Wiener Thronfolgers – mit der bekannten Kettenreaktion  die zum ersten Weltkrieg führte:

Deutschland unterstütze aus der jahrhunderlangen historischen Bande mit Österreich während des heiligen röm. Reichs deutscher Nation halt die Habsburger Monarchie – Russland unterstützte halt seine orthodoxen Glaubensbrüder in Serbien.

Der Versailler Vertrag – mit welchem Deutschland nach dem ersten Weltkrieg wider besseren Wissens die alleinige Kriegsschuld aufgebürdet wurde – ist daher ein Vertrag zur politischen und wirtschaftlichen Einhegung Deutschlands gewesen.

Genau dieselbe Aufgabe hatte Ende des 20. Jahrhunderts die Einführung einer Eurowährung aus der Sicht Frankreichs: um die Dominanz der deutschen Währung und der deutschen Bundesbank zu brechen.
Doch auch dieses Mal trifft Deutschland nicht die alleinige Schuld. Das Scheitern des Europrojekts liegt in seinen Anfängen begründet – als politisches Projekt zur Einhegung der Dominanz der Deutschen: aus diesem Grunde forderten die Franzosen die Einführung einer Eurowährung als Bedingung zur Zustimmung zur deutschen Einheit.
Gleichzeitig mussten Griechenland und Italien mit in die Währungszone, damit wollte Frankreich die Mehrheitsverhältnisse in den EZB-Gremien zugunsten Frankreichs und zuungunsten Deutschlands gestalten.

Während der – von den meisten Deutschen nach 1919 zurecht als ungerecht empfundene – Versailler Vertrag in Kooperation mit der Weltwirtschaftskrise die Auflehnung Deutschlands und damit den Aufstieg der nationalen Sozialisten beförderte wird die Eurowährung ebenso zu großen politischen-ökonomischen Turbulenzen in Europa führen , bei der andere europäische Völker Deutschland gerne die größte politische Schuld und finanzielle Last werden abladen wollen:
27 Prozent der Verluste der EZB und der Eurorettungsfonds werde die Deutschen mindestens bezahlen müssen – plus die Anteile für Staaten, die überschuldet in die Insolvenz rutschen werden und die dann ihre eigentlich von ihnen zu tragenden Anteile nicht mehr zahlen werden können.

Damit werden wieder einmal die Schuldigen in Deutschland gesucht werden: seitens der Südländer werden die hohe Arbeitslosigkeit und die schlecht laufende Wirtschaft auf die zu niedrigen Lohnstückkosten und den zu hohen Export Deutschlands geschoben.
Das ist zwar nicht falsch – aber das ist noch nicht mal die halbe Wahrheit.
Denn aus der deutschen Brille sieht die Welt genau spiegelverkehrt aus.

Die Verträge zu den dauerhaften Eurorettungsfonds EFSF, ESM , die dauerhafte Niedrigzinspolitik der EZB, die sich aufsummierenden Targetsalden zwischen den nationalen Notenbanken, usw. werden beim Zusammenbruch dieses Systems für Deutschland als Nettozahler den gleichen finanziellen Effekt haben, wie der Versailler Vertrag: der deutsche Steuerzahler wird Milliarden ins Ausland transferieren oder  besser gesagt bereits transferiert haben; d.h. die Transfers wurden bereits  getätigt – aber dann werden die offenen Forderungen zerplatzen. Finanziell gesehen ist das dasselbe wie Kriegsreparationen – nur jedoch halt ohne einen Krieg geführt zu haben.

Die Problematik des Scheiterns eines Währungsraumes liegt einerseits an vor Vertragsschluss festgelegten oder nicht festgelegten Regularien und den schon vor Einführung einer Einheitswährung vorhandenen ökonomischen großen Differenzen der Staaten der Währungsunion – andererseits aber auch in den absolut unterschiedlichen finanzkulturellen Gewohnheiten und Traditionen der Völker: die Spanne reicht von Weichwährung bis zur Hartwährung, von Staatsfinanzierung durch die Notenbank bis zur Ablehnung desselbigen Prinzips und zieht sich auch hinein bis in die unterschiedlichen Geldanlagekulturen und die unterschiedlichen Risikofreudigkeiten der Menschen in Nord- und Südeuropa.

Sprich: in der Eurozone existieren seit ihres Beginns völlig unterschiedliche Wirtschafts- und Fiskaltheorien und -philosophien sowie -Traditionen und -Kulturen und -Mentalitäten, die absolut nicht zueinander passten und passen.

Mit dem Euro wollten die Franzosen und Italiener aus den Deutschen also über Nacht währungs-, wirtschafts- und fiskalpolitisch Südländer machen – und die Deutschen wollten umgekehrt aus den Weichwährungs-Südländern stabilitätsorientierte und sparsame Deutsche bzw Nordländer machen.

Das Projekt Euro als Währungsraum mit festen Wechselkurseinheiten ist daher von Anbeginn zum Scheitern verurteilt. Das Scheitern ist nur eine Frage des Zeitpunkts.
Je später der Euro scheitert – desto heftiger wird das finanzielle und wirtschaftliche Erdbeben ausfallen, da sich die Schuldensalden zwischen den nationalen Notenbanken immer weiter addieren und immer größere zwischenstaatliche Forderungen bzw. Verbindlichkeiten angehäuft werden.

Wenn der Euro scheitert, dann wird Europa nicht scheitern. Aber es wird dann zu einer heftigen finanziellen und wirtschaftlichen sowie politischen Schockphase  für die beteiligten Nationen kommen.

Je eher das Projekt bzw. Experiment Euro beerdigt wird, desto geringer und kürzer wird diese Phase ausfallen. Je länger dieses Experiment dauert, desto heftiger wird die Schockphase dauern.

Ein Weiterwursteln und ein Fortführen des Experiments aus politischen Gründen führt zu weiteren Nebenwirkungen – durch zu lange Niedrigzinsphasen, durch direkte Staats- und Unternehmensfinanzierungen durch die EZB,  durch Einführung einer Bankenunion bei der die deutschen Kapitalanleger für die Fehler anderer Banken anderer Länder mithaften, durch die Abschaffung von Bargeld um die aus Niedrigzinsen resultierende Kapitalflucht zu verhindern  – und führt damit zu weiteren Verlusten von ökonomischer und finanzieller Freiheit – sowohl für die öffentliche Hand als auch für den Privatsektor.

Doch besser ein Euro-Ende mit Schrecken als ein Euro-Schrecken ohne Ende. Der Brexit könnte dabei der Anfang vom Ende der Eurozone und auch der EU in seiner jetzigen Form werden.

Das gäbe nach der Schockphase eine Chance für ein neues und freieres , ordoliberaleres Europa der kooperierenden Nationen.

Die Alternative heisst: weitere Zentralisierung der Macht bei den Bürokraten in Brüssel bis hin zur de facto erzwungenen Planwirtschaft und Aufgabe aller Souveränitätsrechte der Völker Europas.

Die jetzige Administration in der EU arbeitet an letzterer Variante und will dazu die Nationalstaaten – auch durch ungesteuerte Zuwanderung – abschaffen.*3 Diese Politik entspricht noch am ehesten dem des stalinistischen Sozialismus: auch Lenin und Stalin ließen ganze Landstriche zwangsumsiedeln, um ihre Identität und ihren Widerstand gegen die Ideologie des Sozialismus zu brechen.

Daher ist diese Politik des Euro-Sozialismus der EU-Kommission eine Kampfansage an alle konservativen, ordo- und nationalliberalen und freiheitlich eingestellten Menschen in den europäischen Völkern.

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Quellennachweise:

*1 http://www.wiwo.de/…/historiker-ronald-g-asch…/13684388.html

 

 

*2 Christopher Clark, die Schlafwandler

 

 

*3 Frans Timmermans, EU-Kommissar, will „monokulturelle“ Nationen ausradieren, Belege:

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/europa/birgit-stoeger/monokulturelle-staaten-ausradieren.html

http://www.epochtimes.de/politik/europa/eu-kommission-vize-fordert-homogene-kulturen-abschaffen-vermischte-kulturen-weltweit-a1327296.html

https://conservo.wordpress.com/2016/05/24/alarm-fuer-deutschland-die-abschaffung-des-nationalstaates-droht/

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