Sicherheitspolitik: Will Macron einen französisch-russischen Zweibund ?

Frankreichs Präsident Macron will scheinbar an den historisch französisch-russischen Zweibund anknüpfen

Allianzen 1914 / Europa / Wikimedia

von Freddy Kühne

Achtung Deutschland: Russisch-Französische Bündnisse gingen bisher stets zu Lasten Deutschlands und Österreich-Ungarns !

Der aktuelle Vorschlag von Monsieur le Président Macron, die europäische Sicherheit stärker in eine Kooperation mit Russland zu legen und sich damit zugleich von den USA loszueisen , stellt nichts anderes dar,  als eine schöne neue „europäische“ Verpackung der traditionellen französischen Einhegungspolitik Deutschlands, Österreichs und Ungarns.

Macrons Feldzug gegen Orban ist damit zugleich auch ein Feldzug gegen den wachsenden Einfluss des zentral-osteuropäischen Hauses Habsburg, bestehend aus Österreich, Ungarn, Polen und den anderen Visegradstaaten: 

Auch der von Macron im Zuge der Europawahlen  angekündigte Feldzug gegen die Politik von Viktor Orban orientiert sich an dem traditionell französisch aussenpolitischen Fixpunkt: Eingrenzung des österreichisch-ungarischen und deutschen  Machtbereichs.  Schließlich könnte dieser Machtbereich noch anwachsen, sollte einerseits die sozialistisch-christdemokratische Kanzlerin in Berlin eines Tages ausfallen ( und z.B. durch eine neue Mitte-Rechts-Regierung ersetzt werden) und andererseits der Einfluss des Hauses Habsburg – bestehend aus Österreich, Ungarn und den Visegradstaaten Polen, Slowakei, Tschechien und Co. – zukünftig weiter anwachsen.

Historisches Beispiel: Der erste Weltkrieg wurde in erster Linie durch einen französisch-russischen Zweibund ausgelöst, um die Causa Serbien und die Causa der Ermordung des österreichischen Prinzen zu nutzen, um Österreich-Ungarn und Deutschland in die Zange zu nehmen.  Dazu waren jahrelang vorher von den Franzosen  Kredite an Russland und Serbien zur Aufrüstung des Militärs und zur Herstellung von Eisenbahnlinien zwecks Schaffung von Rüstungstransportwegen zur deutschen und habsburgischen Ostgrenze von langer Hand vorbereitet und finanziert.  Die russischen Truppen waren folgerichtig auch bereits längst mobilisiert, bevor Frankreich und als Nachzügler auch Deutschland jeweils ihren Truppen die Mobilisierung verordneten. Die russische Regierung war also längst kriegsentschlossen und wartete lediglich nur die Kriegserklärung Österreichs an Serbien ab, um dann sofort zuschlagen zu können und die Schuld für den Krieg hernach natürlich einzig und allein Österreich und Deutschland in die Schuhe schieben zu können….

Complexe Allemande als aussenpolitisches Paradigma Frankreichs

Hinter dieser traditionellen französischen Aussenpolitik steckt das Paradigma „Complexe Allemande“: die unbedingte Verhinderung einer finanz- , wirtschafts- und sicherheitspolitischen Dominanz der europäischen Mittelmächte Deutschlands-Österreichs-Ungarns.

Unterschiedliche Grundhaltungen und unterschiedliches Staatsverständnis in den USA , Frankreich und Deutschland

Die antiamerikanischen Haltungen der Franzosen beruhen vor allem auf unterschiedlichen Grundhaltungen: In den USA dominiert der Hang zur Freiheit, Eigenverantwortung und Leistungsbereitschaft der ursprünglich puritanischen evangelikalen Einwanderer aus dem angelsächsisch-niederländisch-deutschen Raum, ergänzt und beseelt von der Vorstellung einer freien Gesellschaft , deren Grundpfeiler aber eher auf dem puritanisch-biblischen Fundamenten der Gründerväter basiert. Gradmesser für diese Haltung sind die niedrigen Steuern, die private Gesundheitsversorgung und das Bewusstsein, als eine christliche Nation unter Gottes Einfluss zu leben und zu wirken (z.B. durch die Lieferung von Nahrungsmitteln nach Afrika, die Entsendung von christlichen Missionaren in die ganze Welt und durch die militärische Eindämmung des kommunistischen Atheismus).
In Frankreich dagegen herrscht traditionell eher der linke Geist der Planwirtschaft (Planifiquation) und der ständig streikenden Gewerkschaften, kombiniert mit einem eher atheistisch-säkularen Staatsverständnis.

 

Dass Staats- und Gesellschaftsverständnis der Bundesrepublik Deutschland (West) bezog sich weder auf das französische, noch auf das US-amerikanische Modell. In der Bundesrepublik West herrschte die Vorstellung von einer sozialen Marktwirtschaft, in welcher das Eigentum verpflichtet und zugleich die Mitbestimmung der Arbeitnehmer das Hire-and-Fire der USA verhindern als auch die ständigen Streikwellen und die Planifiquation Frankreichs vermeiden sollten. Der Glaube ist überwiegend Privatangelegenheit, doch zugleich berufen sich die Mütter und Väter in der Präambel des Grundgesetzes bewusst auf den christlichen Gott, vor dem die Amtsträger eines Tages ihre Verantwortung abzulegen haben.
Auch das Steuer- und Gesundheitssystem spiegelte diese Balance aus Verpflichtung des Stärkeren zur Solidarität mit dem Gemeinwohl – kombiniert mit dem unbedingten Willen zu Effizienz und Belohnung von Leistungsträgern durch maßvolle Steuersätze wieder. Auch durfte sich ein moderater friedliebender Patriotismus nach dem Mauerfall und besonders seit der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland entwickeln.
Alles dies zumindest galt bis zu Beginn der Amtszeit Merkels im Groben. Diese konnte sich jedoch innerlich scheinbar nie mit diesem Staatsverständnis Westdeutschlands identifizieren und abfinden – was sie sichtlich nach ihrem Wahlerfolg im Jahre 2013 dadurch zum Ausdruck brachte, dass sie mit angewidertem Gesicht eine ihr in die Hand gedrückte Deutschlandflagge nicht schnell genug wieder loswerden konnte: Mit den inzwischen immer stärker erkennbaren Folgen ihrer sozialistischen Euro-Multi-Kulti-Politik.

USA sind seit Jahrzehnten bester Partner Deutschlands

Deutschland kann sich aus historischer und aktueller finanzpolitischer Eurozonen-Erfahrung nicht auf die Franzosen  verlassen. Der beste Verbündete Deutschlands sind seit Jahrzehnten die USA gewesen: Diese sind stets nur widerwillig in die Kriege gegen Deutschland eingetreten. Und: anders als die Franzosen haben die USA sich stets für die Wiedervereinigung Deutschlands eingesetzt, haben der deutschen Bundeswehr die Wiederbewaffnung ermöglicht und die Übernahme von Verantwortung in der Nato.
Zugleich haben die USA seit Jahrzehnten durch die Unterstützung der Politik des Freihandels die Exportüberschüsse der deutschen Wirtschaft ermöglicht – und damit auch seit Jahrzehnten das Aufblasen des Wohlfahrtsstaates der Bundesrepublik.
Es sind zudem die USA unter Trump, die Deutschland sinnvollerweise dazu auffordern, wieder ihre wahre militärische Verantwortung wahrzunehmen, der Bundeswehr endlich wieder eine nachhaltige Invesitionsquote zuzugestehen ,  damit dem Leben von der Substanz ein Ende zu machen   und damit sich selbst und die Bündnispartner in Europa und Übersee ernst zu nehmen und eine verteidigungsfähige Einsatzbereitschaft überhaupt erst wieder aufzubauen.

Frankreich und Russland sind seit Jahrhunderten stets auf die Einengung Deutschlands und der Habsburger  (Österreich-Ungarn) aus

Russisches personifiziertes Bild zur Triple Entente 1914: v.l.n.r: Frankreich, Russland, England / Wikimedia

Sowohl Franzosen wie Russen haben in der Geschichte noch stets auf die Minimierung der Mittelmacht Deutschlands und Österreich-Ungarns hingearbeitet: sei es im ersten Weltkrieg wie oben bereits geschildert, sei es im zweiten Weltkrieg, den Russlands Militärstrategen in der Hoffnung begrüßten und vorbereiteten, dass Deutschland und die Westmächte sich einen Abnutzungskampf liefern, an dessen Ende Russland im Anschluss daran ganz Westeuropa überrollen und übernehmen kann.

Alleine die USA haben der Expansion Russlands nach Westen einen Strich durch die Rechnung gemacht

Die USA haben dauerhaft die Geostrategie Deutschlands nach dem zweiten Weltkrieg übernommen, die einerseits darin bestand und besteht, dem Expansionswillen der atheistisch-kommunistisch-bolschewistischen Sowjetunion nach Westen Einhalt zu gebieten, andererseits darin bestand und besteht, Osteuropa nach dem Mauerfall in das zentral- und westeuropäische System einzubinden und die Rohstoffe und Kornkammern Osteuropas der zentral- und westeuropäischen Industrie zur Verfügung zu stellen.
Ohne das jahrzehntelange finanziell für den US Steuerzahler teure und persönlich mit hohem Einsatz verbundene militärische Engagement der Soldaten und ihrer Familien der  USA in Europa wären die Sowjets schon längst mit ihren Truppen bis zum Atlantik vorgedrungen.

Partnerschaft USA-Deutschland als dauerhafter Garant für Zusammenhalt und Frieden in Europa und eine friedliche deutsche Vorreiterrolle in Europa

Die USA sind der einzige Partner mit dem Deutschland dauerhaft in Europa eine stabile und friedliche Vorreiterrolle spielen kann, OHNE, dass Deutschland von Russland oder Frankreich wieder „in die Zange“  genommen werden wird.
Die ca. 50 bis 70 Millionen deutschstämmigen Amerikaner verbinden Deutschland und die USA bis heute: auf den Gebieten der Hochtechnologie, der Wirtschaft und Wissenschaft kann sich Deutschland keinen besseren Partner vorstellen, als die USA.
Die ideologisch bedingten Unterschiede der politischen Harmonie zwischen dem linkslastigen deutschen Parteiensystem und dem stärker puritanisch-republikanisch-konservativ-liberal geprägten System der USA konnten bisher weitestgehend  erfolgreich überbrückt werden:
Wir dürfen es nicht zulassen, dass linke Hardliner wie Maas, Stegner und Co. mit ihren Hassparolen gegen die US-Administration, die dauerhafte Partnerschaft beschädigen. Wir dürfen es ebenso wenig zulassen, dass ein sozialistischer Präsident im Elysée Palast und eine sozialistisch-christdemokratische Kanzlerin in Berlin die langfristige geostrategische Partnerschaft mit den USA für ein ungewisses sicherheitspolitisches Experiment der Kooperation zwischen Frankreich-Europa-Russland riskieren oder opfern, denn in der Historie hat es bisher noch niemals ein positives erfolgreiches mittel- oder langfristig nachweislich funktionierendes Beispiel einer solchen europäisch-russischen Kooperation gegeben.
In der deutschen Geschichte waren alle diese Bündnisse zwischen Frankreich und Russland bisher jeweils die mit den denkbar schlechtesten praktischen Konsequenzen und Auswirkungen.
Die politschen Interessen Frankreichs bestehen nach wie vor vor allen Dingen darin, Deutschlands politischen, wirtschaftlichen und militärischen Einfluss zu verringern: Deutschland darf gerne in die EU und die EZB als Zahlmeister einzahlen – aber nur zu den Bedingungen Frankreichs.
Die Franzosen wollten und wollen um jeden Preis eine tatsächliche politische Führungsrolle Deutschlands in Europa verhindern: darum haben die Franzosen die Gründung des Euro als Bedingung zur Wiedervereinigung Deutschlands formuliert. Darum haben die Franzosen  beispielsweise ebenso Griechenland und Italien in die Eurozone geholt: Damit im Rat der EZB Deutschland und die anderen deutschsprachigen hartwährungsorientierten Länder keine Mehrheit haben. Seitdem setzen die Südländer um Frankreich, Italien und Griechenland die EZB und das Targetsaldensystem systematisch dafür ein, dass der Steuerzahler Nordeuropas ihre Einkäufe in Nordeuropas mit „Rettungsgeldern“ zu 40 , 50 oder ggf. auch 100 Prozent selbst bezahlt…
Doch solange eine deutsche sozialistisch-christliche Kanzlerin im Amt sitzt, wird sich daran wohl wenig ändern: Merkel und die politische Elite der etablierten Parteien in Deutschland tragen diese strukturelle Einhegung Deutschlands in Europa durch Frankreich auch noch freiwillig mit – koste es den deutschen Steuerzahler – was Frankreichs oder Italiens oder Griechenlands Regierung wolle.

Loslösung von den USA könnte Europa spalten und zerstören

Am Ende würde die geschichtsunkundige Kanzlerin Merkel auch noch Macrons sicherheitspolitischem Amoklauf-Vorschlag der Loslösung von den USA und der  Hinwendung zu Russland auf den Leim gehen, mit der Folge der sicherheitspolitischen Abspaltung Osteuropas von Berlin und Paris und deren Hinwendung zu Washington, sowie der daraus resultierenden aussen- und sicherheitspolitischen Schwächung Deutschlands. Das Vertrauen der Polen, Balten und anderer Osteuropäer in die Zuverlässigkeit und Seriosität europäischer und vor allem deutscher Sicherheitspolitik wäre dann damit endgültig zerschlagen.
Im Verbund mit dem Misstrauen der Osteuropäer gegen Merkels dauerhafte Politik der unbegrenzten Zuwanderung könnte dies zur Auflösung und Zerstörung der EU in ihrer jetzigen Form führen., bei gleichzeitiger Hinwendung Osteuropas zu den USA.
Dass dies kein Hirngespinst ist zeigt die aktuell sich weiter vertiefende Annäherung zwischen der Ukraine und den USA – was übrigens auch der ursprünglichen traditionellen deutschen Geostrategie der Eindämmung der Sowjetunion bzw. Russlands entspricht.

Kooperation Europas , der USA und Russlands verstärken

Nichtsdestotrotz sollte die Kooperation mit Russland in vielen Feldern verstärkt werden: zum Beispiel bei der Bekämpfung des islamischen Terrorismus, oder auch in wirtschaftspolitischer oder energiepolitischer Hinsicht. Auch die Schaffung einer Freihandelszone von San Francisco über Lissabon, Madrid, Paris,  Berlin, Warschau bis nach Wladiwostok wäre eine Option.  Eine solche vertiefte Zusammenarbeit sollte aber niemals eine Alternative zur Kooperation mit den USA sein – sondern stets nur eine ergänzende Zusammenarbeit – und am besten unter Einbezug der USA.

Dass hier bei einigen in den USA dazu dicke Bretter gebohrt werden müssten ist bekannt, aber nicht unmöglich.

Geostrategische Fehler der USA im Nahen und Mittleren Osten korrigieren

Die tatsächlich vorhandenen und für Europa teuren geostrategischen Fehler der USA im Nahen und Mittleren Osten, hier allen voran der versuchte Sturz von Syriens Präsident Assad durch Unterstützung  der radikalislamischen Al-Nusra und Al-Kaida-Kämpfer seitens der USA, müssen intern im Natobündnis thematisiert und aufgearbeitet werden. Solche geostrategischen Fehler, die Flüchtlingsströme nach Deutschland auslösen, dürfen innerhalb der Nato intern kein Tabuthema bleiben, sondern müssen intern schonungslos diskutiert und kritisiert werden.
Doch diese aus deutscher Sicht geostrategischen Fehler zum Nachteil Deutschlands dürfen jetzt nicht zur Auflösung oder Schwächung des Natobündnisses mit den vorhin geschilderten Folgen der Teilung Europas führen.
Stattdessen sollte Deutschland sein eigenes militärisches Engagement ausweiten um mit diesem Pfund dann auch die Geostrategie innerhalb der Nato massiv im eigenen Sinne mitbestimmen zu können.

Europäisches bzw Deutsches Experiment unbegrenzter unkontrollierter Zuwanderung beenden

Zugleich muss die Regierung in Deutschland ebenso ihre experimentelle Politik der unbegrenzten Einwanderung stoppen , auf die Linie der Osteuropäer und Italiens einschwenken und die Armutsflüchtlinge auf kürzestem Wege per Schiff zurück nach Afrika eskortieren – und zwar auf Schiffen mit afrikanischer Beflaggung auf denen afrikanisches Recht gilt und auf denen keine Asylanträge nach europäischem Recht gestellt werden können – mit den bekannten Folgen der teuren Langzeitbearbeitung von Verwaltung und Justizsystemen und der teuren Langzeitalimentierung nach europäischem Sozialstandard auf Kosten der nationalen Sozialsysteme. Hier hilft jetzt nur noch eine Null-Toleranz-Politik nach australischem Vorbild um den gebrochenen Damm wieder zu schließen.

 


weitere Lektüre:

 

 

Die Übereinstimmungen zwischen der Geostrategie Deutschlands VOR und der Geostrategie der USA NACH dem Ende des zweiten Weltkriegs hinsichtlich der Eindämmung Russlands, der Erschließung der Rohstoffquellen in Osteuropa  sind erstaunlich:

Geostrategie Deutschlands vor Ende des zweiten Weltkriegs:

Geostrategie der USA seit Ende des zweiten Weltkriegs:

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